Helen Kevric hat die Erwartungen erfüllt. Bei den Turn-Weltmeisterschaften in Rotterdam gewinnt die Europameisterin eine Medaille. Eine Klasse für sich ist die umjubelte Siegerin Kaylia Nemour.
Rotterdam (dpa) –
Helen Kevric landete sauber im Stand und lächelte verschmitzt: Mit einer blitzsauberen Übung hat die Stuttgarterin bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam Silber am Stufenbarren gewonnen. Die 18 Jahre alte Europameisterin bekam von den Punktrichtern 14,833 Zähler. Damit gewann sie bei ihrer WM-Premiere zugleich die erste und einzige Medaille für den Deutschen Turner-Bund (DTB) bei diesem Championat.
«Es ist einfach extrem krass. Ich kann das noch nicht so richtig glauben. Irgendwie ging das alles super schnell. Das zeigt mir, dass ich nach meiner Verletzung den richtigen Weg gegangen bin, dass ich Gas gegeben habe und jetzt stehe ich hier und bin Vize-Weltmeisterin. Das ist sehr krass. Ich bin richtig glücklich», sagte Kevric unmittelbar nach dem Wettkampf. Ihre erste WM-Medaille bejubelte sie mit zum Herz geformten Händen und fröhlichem Winken in Richtung ihres Vaters Adnan Kevric und ihrer Fans auf der Tribüne.
Nemour in eigener Liga
In einer eigenen Liga turnte Titelverteidigerin Kaylia Nemour aus Algerien. Die 19 Jahre alte gebürtige Französin erhielt für ihren Vortrag der Extraklasse 15,333 Punkte. Unter den Augen von US-Superstar Simone Biles auf der VIP-Tribüne lieferte Nemour eine beeindruckende Flugshow ab.
Einen Tag nach ihrer Enttäuschung mit Platz vier im Mehrkampf glänzte die Algerierin mit einer Übung voller Höchstschwierigkeiten, jubelte anschließend ausgelassen und schnaufte tief durch. «Einfach wow», schrieb Biles auf Instagram zu einem Video von dem Vortrag. Dritte wurde Mehrkampf-Weltmeisterin Skye Blakely (USA) mit 14,600 Punkten.
Die Serie von Kevric
Kevric hat in Rotterdam eine bemerkenswerte internationale Serie fortgesetzt. Bei jedem Großereignis seit ihrem Debüt bei den Frauen erreichte sie das Finale am Stufenbarren: Bei der EM 2024 in Rimini wurde sie Vierte, dann Sechste bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, Erste bei der EM 2026 in Zagreb und nun in der Ahoy Arena Zweite.
Bei den Heim-Europameisterschaften 2025 in Leipzig gewann die 18-Jährige zwar mit der Mannschaft Silber, verletzte sich anschließend aber schwer am linken Knie. Dadurch verpasste sie die WM im selben Jahr in Jakarta und kämpfte sich durch eine schwierige Rehabilitation zurück in die Weltspitze. Ihr Comeback auf der großen Turnbühne hatte sie in diesem Juli bei den deutschen Meisterschaften in Hannover mit den Titeln am Stufenbarren und Schwebebalken gefeiert.
Die weiteren Entscheidungen
Zum Auftakt des ersten Finaltages an den Einzelgeräten hatte Frederick Richards aus den USA mit 14,633 Punkten am Boden gewonnen. Brasiliens zweimalige Olympiasiegerin Rebeca Andrade siegte am Sprung mit 14,466 Durchschnittspunkten für ihre zwei Sprünge. In einem hochklassigen Finale am Pauschenpferd gewann Hamlet Manuchjan aus Armenien mit 15,300 Zählern Gold. An den Ringen war der Chinese Lan Xingyu mit 14,766 Punkten nicht zu schlagen.
