Der frühere Bundesliga-Handballer Lucas Krzikalla sprach 2022 öffentlich über seine Homosexualität. Vier Jahre später berichtet er von berührenden Reaktionen – aber auch von Anfeindungen.
München (dpa) –
Mit seinem Coming-out vor vier Jahren hat der frühere Bundesliga-Handballer Lucas Krzikalla nicht nur sein eigenes Leben verändert, sondern auch den Alltag seiner engsten Vertrauten. «Für meine Familie wurde alles leichter, das war vorher immer so eine kleine Trickserei», sagte der 32-Jährige der «Süddeutschen Zeitung».
Früher hätten Angehörige bei Fragen nach einer Freundin, Hochzeit oder Kindern immer wieder ausweichend antworten müssen. «Das Versteckspiel ist vorbei, wir können alle offen leben», sagte Krzikalla über die Zeit danach.
Krzikalla berichtet von Drohbrief
Der ehemalige Leipziger hatte sich im Herbst 2022 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Davor wusste es laut Krzikalla schon seine Familie, seine engsten Freunde und sein damaliges Team. «Wir haben da aber so ein bisschen Stillschweigen bewahrt», berichtete der frühere Bundesliga-Profi vom SC DHfK Leipzig. Heute läuft Krzikalla in der Regionalliga für die Münchner Panther auf.
Wie selbstverständlich seine Beziehung inzwischen zum sportlichen Alltag gehört, zeigt auch eine kleine Geste aus dem Mannschaftskreis. Sein Freund wurde in den Gruppenchat der Spielerfrauen aufgenommen, wie Krzikalla in dem Interview berichtete.
Anfeindungen habe es nach dem Coming-out kaum gegeben. «Von der Tribüne oder in der Halle direkt kam nichts. Es gab Kommentare über Social Media. Das Krasseste war ein Drohbrief, der an die Geschäftsstelle geschickt wurde», sagte der Rechtsaußen. Der Inhalt: «Dass ich doch in ein Umerziehungslager gehöre und da sterben soll.»
«Es war eine Befreiung»
Rückblickend betrachtet der Handballer sein Coming-out als richtige Entscheidung. «Weil es mental auch immer eine Belastung war, so ein Versteckspiel zu leben. Es war eine Befreiung, ich würde es wieder so machen», erzählte Krzikalla.
Er kenne auch andere schwule Handballprofis. «Aber es steht mir nicht zu, jemanden dahin zu drängen. Ich habe ja auch die Entscheidung für mich getroffen, und das sollte jeder Sportler tun. Kollegen haben mir geschrieben, dass sie gezweifelt haben, ob es richtig sei, weiter Profisport zu betreiben, sie könnten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.»
