Wackelstart für die Wikinger
Norwegen hat seinen ersten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft seit 1998 standesgemäß mit einem 4:1-Erfolg über den Irak gefeiert. Im Gillette Stadium in Foxborough, Boston brauchte der haushohe Favorit aber länger als gedacht, um den Underdog in die Knie zu zwingen, der dem Skandinavien-Star Erling Haaland zwischenzeitlich richtig Probleme bereitete.
Haaland trifft- der Irak hält mit
Trainer Ståle Solbakken schickte sein Team im gewohnten 4-3-3 auf den Rasen: Nyland im Tor, davor Ryerson, Ajer, Heggem und Møller Wolfe in der Abwehrkette, im Mittelfeld Aursnes, Berge und Kapitän Ødegaard, und vorne das Star-Trio Sørloth, Haaland und Nusa. Der Irak, unter Nationaltrainer Graham Arnold, verteidigte ihr Tor zunächst mit bemerkenswerter Disziplin und hohem Druck, das den Norwegern lange Zeit Probleme bereitete.
Die Führung fiel dennoch früh: In der 29. Minute brachte Haaland sein Team in Führung. Doch der Außenseiter schlug zurück – nur zehn Minuten später köpfte Iraks Angreifer Aymen Hussein nach einer Flanke von links über Ali Jasim und Ali Al-Hamadi zum zwischenzeitlichen Ausgleich ein. Bis zur 39. Minute war die Partie damit komplett offen.
Patzer öffnet Norwegen die Tür
Doch der Aufschwung des Iraks währte nicht lange. Ein versehentlicher Fehler des irakischen Keepers brachte das Team kurz vor der Pause selbst in Bedrängnis und Haaland nutzte die Chance gnadenlos zum 2:1 in der 43. Minute zu schießen. Mit dieser knappen Führung ging es in die Kabinen- ein Spielstand, der dem Irak nach starker erster Hälfte durchaus schmeichelte.
Nach dem Seitenwechsel verlagerte sich die spiel Dynamik: Norwegen überließ dem Irak über weite Strecken den Ball und agierte phasenweise passiv. Die Skandinavier schraubten das Ergebnis in der Schlussphase weiter nach oben. In der 76. Minute traf Leo Østigård nach einer Ecke zum 3:1, bevor in der Nachspielzeit (90.+6) der Schlusspunkt fiel: Eine Hereingabe von Bobb landete bei Haaland, der per Kopf quer ablegte – im folgenden Getümmel beförderte Aymen Hussein den Ball unglücklich ins eigene Tor. Das 1:4 war besiegelt.
Eine gelbe Karte, viel Respekt für den Außenseiter
Disziplinarisch blieb die Partie weitgehend ruhig. Die einzige Verwarnung sah Zaid Tahseen in der Schlussphase, nachdem er Haaland im Mittelkreis von hinten gestoppt hatte. Der Norweger selbst hätte in der Schlussphase sogar noch seinen Hattrick schnüren können, scheiterte aber an Torwart Hassan, der den Winkel gut verkürzte.
Statistik-Highlights
Für den Irak bedeutete der Auftritt die Rückkehr auf die große Bühne nach 40 Jahren Pause. Die bislang einzige WM-Teilnahme des Landes datiert von der Endrunde 1986 in Mexiko. Trotz der Niederlage zeigte die Mannschaft von Graham Arnold über weite Strecken eine ordentliche und phasenweise gute Leistung, am Ende kosteten vor allem individuelle Fehler im Spielaufbau und eine schwache Chancenverwertung in der ersten Halbzeit einen durchaus realistischen Punktgewinn.
Norwegen dagegen meldete sich nach 28 Jahren WM-Abstinenz mit einem Statement zurück. Die Qualifikation hatten die Skandinavier bereits makellos mit acht Siegen aus acht Spielen und 37 erzielten Toren abgeschlossen, die beste Offensive Europas. Haaland selbst zeigte sich nach seinem WM-Debüt zufrieden; Erwartet worden sei der Sieg, glücklicherweise habe man ihn auch eingefahren, sagte der Stürmer nach dem Spiel.
Fazit: Was bedeutet das für beide Teams?
Für Norwegen ist der Auftaktsieg ein gelungener Einstieg nach langer WM-Pause, auch wenn die zwischenzeitliche Wackelphase zeigt, dass die Wikinger nicht automatisch durchmarschieren. Mit Senegal und Frankreich warten in der Gruppe I jedoch deutlich kniffligere Aufgaben, in denen Solbakken seine Rotationsmöglichkeiten brauchen könnte.
Für den Irak überwiegt trotz der Niederlage eine gewisse Genugtuung: Die historische Rückkehr zur WM wurde mit einer couragierten ersten Halbzeit untermauert, in der der Außenseiter dem Favoriten lange ein interessantes spiel bot. Nun zählt für die Mannschaft von Graham Arnold vor allem eines –aus den eigenen Fehlern zulernen, um in den verbleibenden Gruppenspielen näher an die erste WM-Sensation seit 1986 heranzukommen.
