Fußball

WM 2026: Kongo erkämpft sich Punkt gegen Portugal

Viele Kongolesen fieberten mit ihrer Mannschaft mit - das Unentschieden gegen Portugal wurde wie ein Sieg gefeiert.
Viele Kongolesen fieberten mit ihrer Mannschaft mit – das Unentschieden gegen Portugal wurde wie ein Sieg gefeiert. – Michael Wyke/AP/dpa

Überraschung in Houston

Es war eine Nacht für die WM-Geschichtsbücher. Statt des erwarteten Favoritensiegs musste sich Portugal im NRG Stadium in Houston mit einem 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo zufriedengeben. João Neves brachte die Portugiesen früh in Führung, doch Yoane Wissa rettete den Leoparden in höchster Not noch den Ausgleich. Für den 41-jährigen Ronaldo, der sein 229. Länderspiel bestritt, geriet der Auftakt seiner sechsten WM-Teilnahme damit zur Enttäuschung. Mit 41 Jahren und 132 Tagen war er der älteste Feldspieler, der je von Beginn an in einem WM-Spiel auf dem Rasen stand, doch sportlich blieb ihm der große Auftritt verwehrt.

Portugal mit Sternenensemble, aber ohne Durchschlagskraft

Trainer Roberto Martínez schickte sein Team in gewohnt prominenter Besetzung auf den Platz. Diogo Costa im Tor, davor die Abwehr mit João Cancelo, Tomás Araújo, Renato Veiga und Nuno Mendes, im Mittelfeld der PSG-Block um João Neves und Vitinha, ergänzt durch Bernardo Silva und Bruno Fernandes, während Cristiano Ronaldo als einzige Spitze fungierte. Tomás Araújo ersetzte dabei den leicht angeschlagenen Rúben Dias, Pedro Neto erhielt auf links den Vorzug vor Rafael Leão. Der Start verlief nach Plan: nach einer Flanke von Pedro Neto stieg João Neves am höchsten und köpfte in der 6. Minute zur frühen Führung ein. Danach jedoch verwalteten die Portugiesen den Vorsprung zu passiv; Ronaldo selbst kam zweimal in aussichtsreicher Position an den Ball, zielte aber beide Male daneben. Auch nach der Pause blieb Portugal zu ungenau, der Kapitän setzte die Kugel erneut rechts am Tor vorbei. Martínez versuchte mit Leao und Nélson Semedo frische Kräfte reinzubringen, doch die erhoffte Wende gelang nicht.

Kongo erziehlt ihren ersten WM-Punkt überhaupt ab

Die Demokratische Republik Kongo, die nach 52 Jahren Abstinenz erstmals seit der Teilnahme in 1974 wieder bei einer WM dabei ist, ließ sich von der Bühne nicht beeindrucken. Trainer Sébastien Desabre vertraute auf eine kompakte Fünferkette. Mpasi-Nzau im Tor, davor Wan-Bissaka und Kapuadi sowie Kapitän Chancel Mbemba und Axel Tuanzebe in der Abwehr.  Im Mittelfeld Edo Kayembe, Ngal’ayel Mukau und Samuel Moutoussamy und vorne das Duo Cédric Bakambu und Yoane Wissa. Nach dem frühen Rückschlag steigerten sich die Leoparden spürbar. Wissa schoss bereits in der 11. Minute aus der zweiten Reihe knapp links vorbei, bevor der Lohn für den Mut kurz vor der Pause folgte. Yoane Wissa erzielte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+5) den viel umjubelten Ausgleich, das erste WM-Tor der kongolesischen Geschichte. Auch im zweiten Durchgang blieben die Außenseiter griffig. Bakambu eroberte im gegnerischen Strafraum den Ball von Bruno Fernandes und scheiterte in der 57. Minute nur knapp am Ausgleich zur Führung.

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Statistik-Highlights

Am Ende standen 8:7 Torschüsse zugunsten der Zentralafrikaner zu Buche – ein deutliches Indiz für die fehlende Durchschlagskraft der Portugiesen trotz spielerischer Überlegenheit. Die Kongolesen gewannen außerdem 55 Prozent der Zweikämpfe und stellten die favorisierten Portugiesen damit auch im Mittelfeld vor erhebliche Probleme. Für Ronaldo bedeutete der Abend zumindest einen weiteren persönlichen Eintrag in die Geschichtsbücher. Mit seiner sechsten WM-Teilnahme in Folge baute er seinen Rekord als meistgecappter Nationalspieler aller Zeiten weiter aus, ehe ihm beim eigentlichen Spielgeschehen die entscheidenden Aktionen fehlten.

Fazit: Was bedeutet das für beide Teams?

Für Portugal war das Spiel ein Weckruf zum WM-Auftakt. Die individuelle Klasse im Kader bleibt unbestritten, doch das Kombinationsspiel im letzten Drittel offenbarte deutliche Schwächen, die später schnell zum Problem werden könnten. Ronaldos später Auftritt zeigte zudem, dass auch der Rekordmann nicht mehr im Alleingang für die entscheidende Lösung sorgen kann.

Für die DR Kongo überwiegt dagegen ungebremster Stolz. Der erste WM-Punkt der Geschichte des Landes, und das gegen einen ausgewiesenen Titelkandidaten. Eine historische Leistung, die beweist, dass sich die Leoparden trotz erschwerter Vorbereitungsbedingungen keineswegs einschüchtern lassen. Mit diesem Selbstvertrauen im Rücken dürfen sich Mbemba und Co. durchaus Hoffnungen auf das Weiterkommen machen.

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