Houston – Mehr als nur eine Gastgeberstadt
Houston liegt im Südosten von Texas und ist die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten. Über 145 Sprachen werden hier gesprochen, mehr als in fast jeder anderen Stadt der Welt. Houston hat zwar kein Strand, keine ikonische Skyline und keinen Central Park; stattdessen aber die NASA-Geschichte, das weltgrößte Rodeo, eine exzellente Restaurantszene und ein texanisches Selbstbewusstsein, das man noch vor dem Landen spürt. Bezahlt wird in US-Dollar, die Zeitzone ist Central Time (sieben Stunden hinter Mitteleuropa) und EU-Bürger brauchen ein ESTA, um einzureisen, dass man rechtzeitig beantragen sollte.
Das Wetter im Juni ist das größte Gesprächsthema der Stadt da es so heiß ist. Temperaturen reichen zwischen 33 und 38 Grad und dazu eine bemerkbare Luftfeuchtigkeit, die sich anfühlt wie ein feuchtes Handtuch im Gesicht. Der Ausgleich: In Stadion, Hotels, Bars und Restaurants läuft die Klimaanlage auf durchgehend auf einem Niveau, das an polaren Verhältnissen grenzt. Houston ist keine Stadt, die man zu Fuß erkundet – sie ist zu groß, zu verteilt. Uber oder einen Mietwagen auszuleihen ist nur zu empfehlen- wer ein Auto hat, kommt überall hin.
Das Stadion und seine Geschichte
Die Geschichte des Houston Stadiums beginnt eigentlich nebenan, beim ‚Astrodome‘. 1965 eröffnet, war der Astrodome das erste überdachte Mehrzweckstadion der Welt, ein Bauwerk so futuristisch, dass es den Beinamen „Eighth Wonder of the World“ trug. Für Jahrzehnte war es das Symbol der Stadt. Hier spielten die Houston Oilers Football, die Astros Baseball, Rodeos liefen unter künstlichem Licht und hier erfand man den Kunstrasen- buchstäblich, er heißt bis heute „Astro Turf“, weil das Gras im Astrodome nicht wuchs und man kurzerhand die Lösung erfand.
1996 zogen die Oilers weg nach Nashville und die Stadt stand ohne NFL-Team da, das Astrodome verlor seinen wichtigsten Mieter. Anfang der 2000er wurde ein Nachfolger des Astrodome für 352 Millionen Dollar gebaut – direkt nebenan, mit einziehbarem Dach, weil Houston ohne Klimaanlage schlicht keine Sportveranstaltung überleben kann. Das NRG-Stadium öffnete 2002 und war das erste NFL-Stadion mit einem vollständig verschließbaren Dach.
Während der WM heißt die Arena schlicht „Houston Stadium“- FIFA-Logik wie gehabt, Sponsorenkonflikte sollen vermieden werden. Sie fasst 72.000 Zuschauer, das Dach schließt sich innerhalb Minuten, die Klimaanlage übernimmt und das Spiel läuft. Der alte Astrodome steht übrigens noch direkt nebenan als Denkmal seiner selbst. Wer vorbeiläuft und den runden Betonklotz sieht weiß: Das ist er.
Für Zuschauer funktioniert die Anreise zum Stadion am besten mit der METRORail Red Line, Station „Stadium Park/Astrodome“ – von dort sind es wenige Minuten zu Fuß. Wer mit dem Auto kommt, sollte wissen: Parkplätze kosten bis zu 175 Dollar und die Staus rund um den 610-Loop sind während der WM unvermeidlich.
Die Spiele in Houston
Houston richtet sieben WM-Spiele aus – vom 14. Juni bis zum 29. Juni:
- 14. Juni: Deutschland – Curaçao (das DFB-Auftaktspiel)
- 17. Juni: Portugal – DR Kongo
- 20. Juni: Niederlande – Schweden
- 23. Juni: Portugal – Usbekistan
- 26. Juni: Kap Verde – Saudi-Arabien
- 29. Juni: Sechzehntelfinale
Das Highlight für deutsche Fans ist offensichtlich der 14. Juni. Aber auch Portugal spielt gleich zweimal in Houston – die Fanszene wird über den gesamten Turnierverlauf bunt und laut bleiben. Wer ein Ticket für das Sechzehntelfinale am 29. Juni ergattert, sieht möglicherweise Deutschland ein zweites Mal, falls sie Gruppensieger werden.
Fans – Wen trifft man in Houston?
Texanische Gastgeber
Houston identifiziert sich mit Texas, nicht mit Amerika. Das Gastgebertum ist herzlich und großzügig, aber auf texanische Art: laut, stolz und mit einem Bier in der Hand. Die Lokals freuen sich auf das Spektakel – Fußball ist in Houston kein alltägliches Ereignis, die Begeisterung dafür umso echter.
Deutsche Fans
Sie reisen zahlreich, erfahren und mit klarem Ziel: die Mannschaft durch die Vorrunde tragen. Gegen Curaçao, einen WM-Neuling, werden sie das Stadion in eine Art Heimspielatmosphäre verwandeln. Die deutschen Fans, die nach Houston kommen, sind keine Touristen mit Ticket. Sie kennen den Spielplan, haben das Hotel drei Monate vorher gebucht und wissen bereits, wo es die beste Bratwurst der Stadt gibt. Man wird sie überall treffen.
Portugiesische und Lateinamerikanische Fans
Houston hat eine der größten lateinamerikanischen Gemeinschaften der USA. Wenn Portugal spielt, kommen nicht nur die Portugiesen, sondern auch die Brasilianer, Mexikaner und Salvadorianer. Die Energie dieser Fangemeinden ist ansteckend und nicht zu übersehen.
Was man in Houston sehen muss
Space Center Houston
Dreißig Kilometer südlich der Innenstadt liegt das NASA Johnson Space Center, seit 1961 das Herz der amerikanischen Raumfahrt. Hier trainieren heute Astronauten für Missionen zur ISS und zum Mond; das Besucherzentrum zeigt über 400 Raumfahrtartefakte, darunter die weltgrößte öffentlich zugängliche Sammlung von Mondgestein und eine begehbare Raumfähren-Replik, das einzige Exemplar weltweit, das der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Buffalo Bayou Park
Der Flusspark mitten in der Stadt ist Houstons Antwort auf den Central Park – länger, wilder und texanischer. Kayak mieten, die Skyline vom Wasser beobachten oder einfachspazieren gehen, bei Sonnenuntergang fliegen hier rund 250.000 Fledermäuse aus ihren Nestern unter einer Brücke auf – einer der seltsamsten und schönsten Naturmomente, die eine Großstadt zu bieten hat.
The Menil Collection
Die Menil Collection in Montrose beherbergt 17.000 Werke und gilt als die bedeutendste Surrealismus Sammlung außerhalb von Paris. Kein Massentourismus und keine Warteschlangen, man sitzt einfach in ruhigen, hellen Räumen mit Picasso, Magritte oder Ernst.
Die Rothko Chapel
Ein achteckiger Backsteinraum, 14 Gemälde von Mark Rothko und absolute stille. Die Rothko Chapel gilt als einer der ruhigsten, tiefgründigsten Orte in jeder amerikanischen Stadt.
Nach dem Spiel – Houston bei Nacht
Restaurants
Houston serviert über 80 verschiedene Küchen in mehr als 13.000 Restaurants verteilt, der Stadtteil Montrose ist dabei meistens die erste Adresse: akklamierte Köche, internationale Einflüsse und die spürbar texanische Seele. Für Fleisch Liebhaber gibt es das berüchtigte Texanisches BBQ – Brisket, Ribs and Sausage – in Houston ein Hauptereignis.
Sports Bars & Übertragungen
Das Stadtviertel Midtown ist meist die erste Adresse nach dem Abpfiff für Fans. Dutzende Bars übertragen alle WM-Spiele parallel, von der klassischen American-Sports-Bar bis zur mexikanischen Cantina. Das House of Blues ist der bekannteste Live-Music-Spot der Stadt; Rock, Soul und Blues bis in den frühen Morgen. Das offizielle FIFA Fan Festival findet in der Innenstadt statt, Riesenleinwände, Essen aus aller Welt und kostenloser Eintritt für alle die keine WM-Karten ergattern konnten.
Clubs & Bars
Montrose und Midtown sind Houstons Nightlife-Kern; Late-Night-Tacos, Kneipen, elektronische Musik und Rooftop-Bars mit Blick auf die Skyline. Wer es ruhiger mag, findet in The Heights eine entspanntere Szene mit historischen Straßenzügen und unabhängigen Lokalen Theatern.
Eine Notiz für deutsche Fans
Wer am 14. Juni in Houston ist und das Spiel gegen Curaçao gewonnen hat, sollte nicht gleich weiterreisen, Houston hat noch Portugal (17. Juni) und Niederlande gegen Schweden (20. Juni) im Programm. Die Deutschen, die hierherkommen, treffen auf eine Stadt ohne die übliche WM-Übersättigung anderer Metropolen. Houston freut sich auf dieses Turnier. Es ist nicht New York, nicht Los Angeles, nicht die offensichtliche Wahl. Genau deshalb lohnt es sich.
