2022 war Halbfinale, 2026 ist Viertelfinale
Im Gillette Stadium in Foxborough bei Boston treffen am heutigen Donnerstag, dem 9. Juli 2026, Frankreich und Marokko im WM-Viertelfinale aufeinander. Anstoß ist um 22:00 Uhr deutsche Zeit. Das Spiel ist live in der ARD sowie bei MagentaTV zu schauen.
Es ist die Neuauflage des legendären WM-Halbfinals von 2022 – damals gewann Frankreich in Katar mit 2:0, ehe Marokko als erstes afrikanisches Team überhaupt Vierter einer Weltmeisterschaft wurde. Vier Jahre später, im Gillette Stadium, wartet die Revanche. Frankreich kommt mit sieben Toren in den letzten drei Spielen und dem Selbstbewusstsein des Topfavoriten. Marokko reist ohne seinen wichtigsten Angreifer an, dafür mit dem Hunger einer Nation, die 2022 die Welt verblüffte und es diesmal noch weiterbringen will. Der Sieger trifft im Halbfinale auf Spanien, da sie 1:0 gegen Portugal gewannen.
Frankreich
Frankreich hat zum ersten Mal seine ersten fünf Spiele bei einer WM gewonnen. Doch das Achtelfinale gegen Paraguay war eine Warnung. Es war ein glanzloser Auftritt der französischen Offensivkünstler, der erste in diesem Turnier, bei dem sie weniger als drei Tore erzielten. Ein Elfmeter reichte, um die Südamerikaner aus dem Turnier zu werfen. Die Einwechslung des Dribbelkünstlers Désiré Doué war der entscheidende Schlüssel – nur mit einem Foul konnte er im Strafraum gestoppt werden. Den folgenden Elfmeter verwandelte Kylian Mbappé in der 70. Minute souverän zum 1:0.
Durch seinen siebten Treffer bei dieser WM hat Mbappé die Führung in der Torjägerliste übernommen – auch Lionel Messi war siebenmal erfolgreich, beim Franzosen kommen jedoch noch zwei Assists dazu. Gegen Marokko wird Frankreich mehr brauchen als einen Elfmeter. Deschamps dürfte das System anpassen – Doué könnte von Beginn an für Barcola spielen. Saliba, Upamecano und Koundé bleiben die Defensivstützen.
Voraussichtliche Aufstellung Frankreich (4-2-3-1):
Maignan – Koundé, Upamecano, Saliba, Digne – Rabiot, Koné – Dembélé, Olise, Doué – Mbappé
Marokko
Marokko ist ohne Glanz ins Viertelfinale eingezogen und sorgt sich um den verletzt ausgewechselten Stürmerstar Ismael Saibari. Der künftige Bayern-Star hatte das 3:0 gegen Co-Gastgeber Kanada ab der 22. Minute im Jogginganzug auf der Bank verfolgt, weil er früh mit einer Oberschenkelblessur vom Platz musste. Sein Einsatz in Boston ist höchst fraglich.
Doch Marokko hat auch ohne Saibari gewonnen – und wie. Azzedine Ounahi traf in der 50. Minute: Hakimi spielte den Ball flach in den Rückraum, Ounahi nahm ihn aus rund 18 Metern direkt und schlenzte ihn mit der Innenseite flach ins rechte Eck – sein erster Treffer in seinem zwölften WM-Spiel. Erstmals in der WM-Geschichte steht damit ein afrikanisches Team bei zwei aufeinanderfolgenden Endrunden im Viertelfinale. Kapitän Achraf Hakimi bleibt die Achse des Teams, El Khannouss der kreative Kopf, Rahimi der Ersatz für Saibari. Die Defensive um Diop, Halhal und Mazraoui hat in fünf Spielen nur zweimal nachgegeben und plant dies bei Frankreich fortzuführen.
Voraussichtliche Aufstellung Marokko (4-2-3-1):
Bono – Hakimi, Diop, Halhal, Mazraoui – Bouaddi, El Aynaoui – Ounahi, Díaz, El Khannouss – Rahimi
Rückblick
2022 in Katar war es das WM-Halbfinale – Frankreich gewann 2:0, gegen Marokko. Théo Hernández traf früh, Kolo Muani in der Nachspielzeit. Marokko war bis dahin das Team des Turniers gewesen: Spanien im Elfmeterschießen, Portugal mit 1:0. Gegen Frankreich fehlte am Ende die Kraft. Es gibt nicht wenige Experten, die sagen, die Löwen vom Atlas seien seitdem noch gefährlicher geworden. Frankreich führt den Direktvergleich mit vier Siegen bei einem Remis – aber das letzte Wort ist in Boston noch nicht gesprochen.
Fazit
Frankreich ist leichter Favorit, aber dieses Spiel fühlt sich anders an als die vorherigen. Paraguay hat gezeigt, dass Frankreichs Offensive blockierbar ist, und Marokkos Defensive ist eine ganz andere Dimension. Ohne Saibari fehlt die Schnelligkeit in der Spitze – aber Ounahi hat im Achtelfinale bewiesen, dass er in großen Momenten trifft. Wenn Marokko früh die Räume zumacht und auf Standards und Konter setzt, ist Boston der Ort, an dem die Sensation passieren kann. Wenn Mbappé und Olise aber Lücken finden, könnte Frankreich ins Halbfinale marschieren – so wie damals, in 2022.
