Fußball

England gegen Argentinien – 40 Jahre nach der Hand Gottes das nächste Kapitel

Atlanta schreibt das nächste Kapitel

Im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta treffen am morgigen Mittwoch, dem 15. Juli 2026, England und Argentinien im WM-Halbfinale aufeinander. Anstoß ist um 21:00 Uhr deutsche Zeit. Das Spiel ist live in der ARD sowie bei MagentaTV zu schauen.

England gegen Argentinien ist das aufgeladenste Duell der WM-Geschichte und das hat einen konkreten Grund. Im WM-Viertelfinale 1986 in Mexiko-Stadt schlug Diego Maradona den Ball mit der linken Hand ins Tor – der Schiedsrichter sah es nicht und gab das Tor. Auf die Frage danach sagte Maradona selbst: „Ein bisschen mit dem Kopf von Maradona, und ein bisschen mit der Hand Gottes.“ Vier Minuten später erzielte er dann eines der schönsten Tore der WM-Geschichte: Er lief vom eigenen Strafraum los, überdribbelte fünf englische Spieler und schoss zum 2:0 ein – heute bekannt als das „Tor des Jahrhunderts“. England verlor 1:2 und schied aus. 1998 folgte David Beckhams Roter Karte gegen Argentinien. 2002 der bislang letzte WM-Vergleich: England gewann die Gruppenpartie mit 1:0. Heute, 40 Jahre nach Maradona, treffen beide Nationen in Atlanta zum sechsten Mal bei einer WM aufeinander. Der Sieger trifft im Finale am 19. Juli im MetLife Stadium in New York auf Spanien.

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England

England zog mit starken K.-o.-Nerven ins Halbfinale ein. Bellingham war in jedem K.-o.-Spiel der Matchwinner: Doppelpack gegen Mexiko im Aztekenstadion, Doppelpack gegen Norwegen im Viertelfinale, als England zunächst zurücklag. Fünf seiner sechs Turniertor fielen, als England hinten lag oder unentschieden stand – kein Spieler dieser WM hat mehr Nervenstärke im richtigen Moment bewiesen. Kane steht mit 13 WM-Treffern insgesamt auf dem Niveau der ewigen Torjägerliste und trifft damit den Gerd-Müller-Rekord ein.

Tuchel baut nach der zähen Verlängerung gegen Norwegen dreifach um: Spence, Reece James und Saka rücken für Konsa, Madueke und Rice in die Startelf. James ist rechtzeitig wieder fit. Henderson fehlt weiterhin nach seiner Arm-Operation.

Voraussichtliche Aufstellung England (4-2-3-1):

Pickford – Spence, Stones, Guéhi, O’Reilly – James, Anderson – Saka, Bellingham, Gordon – Kane

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Argentinien

Argentinien ist Titelverteidiger und kommt erschöpft ins Halbfinale. Alle drei K.-o.-Spiele gingen in die Verlängerung: das 3:2 gegen Kap Verde, das Comeback gegen Ägypten nach 0:2-Rückstand noch zum 3:2, und zuletzt das 3:1 gegen die Schweiz, die nach Gelb-Rot lange in Unterzahl spielte. Drei Verlängerungen in drei Spielen – Argentiniens Beine haben mehr gearbeitet als die jedes anderen Halbfinalisten.

Was unbestreitbar ist: Messi spielt das Turnier seines Lebens. Mit 21 WM-Toren insgesamt hat er den Rekord allein inne – kein Spieler hat jemals mehr WM-Treffer erzielt. Scaloni stellt das System auf 4-4-1-1 um: Messi agiert als hängende Spitze hinter Álvarez, De Paul, Paredes, Fernández und Mac Allister bilden das Mittelfeld. Lautaro Martínez, der gegen die Schweiz als Joker traf, bleibt auf der Bank – als einer der gefährlichsten Einwechselspieler des Turniers.

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Voraussichtliche Aufstellung Argentinien (4-4-1-1):

Martínez – Medina, Romero, Li. Martínez, Tagliafico – De Paul, Paredes, E. Fernández, Mac Allister – Messi – Álvarez

Rückblick

Fünf WM-Duelle bislang – Argentinien gewann drei, England eins, einmal Unentschieden. Das wichtigste Kapitel: Viertelfinale 1986 in Mexiko-Stadt. Maradona traf in der 51. Minute mit der Hand zum 1:0 – der Schiedsrichter gab es, obwohl Maradona selbst später zugab, den Ball mit der Hand berührt zu haben. Vier Minuten später erzielte er dann solo vom eigenen Strafraum das 2:0 – das Tor des Jahrhunderts. England traf noch durch Lineker zum 1:2, verlor aber. 1998 flog Beckham mit Roter Karte vom Platz, Argentinien gewann im Elfmeterschießen. 2002 gewann England das Gruppenspiel mit 1:0 – Beckham traf per Elfmeter. Heute in Atlanta das sechste Kapitel.

Fazit

Auf dem Papier ist England hauchdünn favorisiert – frischere Beine nach weniger Verlängerungsminuten, Bellingham als zuverlässigster Gamebreaker des Turniers und Tuchel mit einem klaren Matchplan. Doch Messi hat in jedem K.-o.-Spiel dieser WM entweder getroffen oder vorbereitet und Argentinien hat dreimal bewiesen, dass sie Spiele noch drehen können, wenn es nötig ist. Wenn England früh trifft, die Intensität hochhält und Messi isoliert, ist das erste englische WM-Finale seit 1966 möglich. Wenn Argentinien aber überlebt, bis Messi seinen Moment findet – wird Atlanta wieder argentinisch.