Boston – Mehr als nur eine Gastgeberstadt
Boston liegt im Nordosten der Vereinigten Staaten, direkt am Atlantik, und gehört zu den ältesten und am dichtesten besiedelten Städten des Landes. Die Stadt ist gut zu Fuß erkundbar und kulturell tief von irischen Einwandererströmen des 19. Jahrhunderts geprägt- Irisch-Amerikanische Einflüsse durchziehen Bostons Religionsleben, Politik und Straßenkultur bis heute. Kein Zufall also, dass die Tartan Army in keiner anderen WM-Stadt Nordamerikas so einen natürlichen Heimvorteil haben wird wie in Boston.
Die Stadt ist außerdem Heimat von mehr als 60 Colleges und Universitäten, darunter die renommierten Schulen Harvard und MIT. Eine frische, internationale Energie strömt durch all die Straßen wenn die Campusse sich mit Besuchern aus aller Welt füllen für die WM 2026.
Bezahlt wird mit US-Dollar ($), die Zeitzone ist Eastern Time (sechs Stunden hinter Mitteleuropa), und wer aus Europa einreist, braucht ein ESTA oder ein Visum für die USA.
Das Klima im Juni ist deutlich angenehmer im Vergleich zu südlicheren WM-Städten wie Miami oder Dallas: Tageshöchstwerte sind um die 23–25 Grad, Luftfeuchtigkeit liegt bei rund 77 %, mit durchschnittlich knapp 16 Regentagen im Monat. Für die Spieler sind diese Klimatischen Bedingungen deutlich angenehmer als Miami, obwohl Boston kein Stadion mit Klimaanlage ist.
Das Stadion – Jetzt offiziell: Boston Stadium
Das Stadion liegt nicht direkt in Boston, sondern rund 29 Meilen vom Stadtzentrum aber mit dem Commuter Rail ist man von der ‚South Station‘ direkt ans Stadion angebunden. Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts wird für die Dauer des Turniers zu „Boston Stadium“ umbenannt, dies entspricht der FIFA-Praxis bei allen US-Austragungsorten neutrale Namen zu benutzen, um Konflikte mit offiziellen Sponsoren zu vermeiden.
Das Stadion wurde 2002 eröffnet und fasst knapp 65.000 bis 68.000 Zuschauer. Das Wahrzeichen des Gebäudes ist der Gillette-Leuchtturm, der mit 22 Stockwerken der höchste Leuchtturm der USA ist. Er hat auch eine 360-Grad-Aussichtsplattform hat, von der man bei klarem Wetter die Skylines von Boston sieht.
2023 wurde das Stadion für 250 Millionen Dollar renoviert. Das Highlight: die neue Videotafel mit den Maßen 110x 21 Meter – zum Zeitpunkt der Fertigstellung die größte Outdoor-Videowand in einem US-Sportstadion.
Boston war schon mal dabei – 1994
Boston ist keine WM-Novizin. Beim Turnier 1994 im alten Foxboro Stadium, dem Vorgängerbau, erzielte Diego Maradona sein letztes WM-Tor beim 4:0 gegen Griechenland – sein anschließender Jubellauf direkt in die Stadionkamera gehört zu den unvergesslichsten WM-Bildern . Wenige Wochen später folgte der Absturz: Maradona wurde nach einer positiven Dopingprobe von spielen gesperrt wegen einem Mittel, das er laut Berichten in einer Bostoner Apotheke gekauft hatte.
Das Viertelfinale 1994 zwischen Italien und Spanien – 2:1 nach dramatischem Spielverlauf – sahen 53.400 Fans im alten Stadion. Und dieses Turnier hatte Folgen, die bis heute spürbar sind: Die WM 1994 gilt als Auslöser für die Gründung von Major League Soccer im Jahr 1996.
Die Spiele und die Gruppen
Boston richtet sieben Spiele der 2026 WM aus: fünf Gruppenspiele sowie ein Achtelfinale und ein Viertelfinale.
Der Plan:
- Juni: Haiti vs. Schottland
- Juni: Norwegen vs. Irak
- Juni: Schottland vs. Marokko
- Juni: England vs. Ghana
- Juni: Norwegen vs. Frankreich
- Juni: Achtelfinale
- Juli: Viertelfinale
Das Highlight der Gruppenphase ist schwer zu benennen – Boston hat gleich mehrere Knaller. England gegen Ghana am 23. Juni bringt eines der lautesten und größten Reisefanlager des Turniers mit sich. Frankreich gegen Norwegen am 26. Juni ist das fußballerisch interessanteste Duell der Gruppe da es zwei Titelkandidatensind. Jedoch dürfte der menschlich reichste Abend der ganzen Gruppenphase Schottland gegen Haiti werden: Bostons haitianische Community ist eine der größten der gesamten USA, und die Tartan Army hat ihre Reisepläne längst gemacht.
Fans – Wen trifft man in Boston?
Schottische Fans (Tartan Army)
Boston ist ihr Turnier. Eine Stadt mit tiefen irisch-keltischen Wurzeln, viel Stolz und einer einzigen schottischen Bar, die seit Monaten auf diesen Moment hinarbeitet – Jason Waddleton, Besitzer von The Haven in Jamaica Plain, erwartet Hunderte Fässer, Dudelsackspieler und traditionelle Scotch Meat Pies. Die Tartan Army bringt Kilts, Gesang und eine Reisementalität, die unabhängig vom Spielstand anhält.
Haitianische Fans
Bostons haitianische Community zählt rund 70.000 Menschen, eine der konzentriertesten Haitian-Diaspora der USA. Wer beim Eröffnungsspiel Haiti gegen Schottland am 13. Juni dabei ist, erlebt zwei komplett unterschiedliche Fanwelten und deren aufeinandertreffen. Danach geht das haitianische Fußballfest weiter in Little Haiti International Cuisine in Hyde Park oder in Hue Boston, ein haitianisch-amerikanisches Speakeasy in Back Bay.
Amerikanische Fans
Fußball in den USA ist stark von der NFL-Kultur geprägt – viel Stadiontechnik, Entertainment-Pausen, weniger spontaner Dauergesang. Boston ist in dieser Hinsicht etwas anders als der Rest: Die Stadt hat eine aktive MLS-Fanszene durch die Revolution, und The Banshee in Dorchester beherbergt mehr als ein Dutzend internationale Supporter-Clubs – hier trifft man keine Gelegenheitsfans, sondern Leute, die seit Jahren jeden WM-Zyklus mitverfolgt haben und sich auf ihren Moment freuen.
Nach dem Spiel – Boston bei Nacht
Bars mit echtem Vibe:
The Haven in Jamaica Plain, Bostons einzige schottische Bar, plant ein dreitägiges Fußballfestival rund ums Eröffnungsspiel und wird zur Basis der Tartan Army. Kein Dresscode, keine VIP-Schranken, dafür echte schottische Atmosphäre.
The Banshee in Dorchester ist die erste Adresse für alle, die Fußball ernst nehmen: Heimat von mehr als einem Dutzend Supporter-Clubs, alle Spiele auf Großbild mit voller Lautstärke. Früh ankommen bei Großspielen.
Caffè dello Sport im North End ist ein Klassiker für Calcio-Fans: Espresso statt Guinness, Tische dicht an dicht, Bildschirme an jeder Wand – und eine Stammkundschaft, die seit Jahren jeden Spieltag dort verbringt
Egal ob Ticket oder nicht
Das FIFA Fan Festival findet auf dem City Hall Plaza statt, Bostons zentralem Treffpunkt für Fans, mit Live-Übertragungen aller Spiele, Kulturprogramm und Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern. Es läuft vom 12. bis 27. Juni und der Eintritt ist kostenlos.
Zusätzlich gibt es kostenlose Fanzonen in Cambridge jeweils an den Spieltagen – eine echte Option für Familien oder alle, die die WM-Atmosphäre ohne Ticketpreise erleben wollen, in einer der interessantesten Universitätsstadtteile der Welt.
