Ahornblätter gegen Atlas-Löwen
Im NRG-Stadium in Houston treffen am heutigen Samstag, dem 4. Juli 2026, Kanada und Marokko im WM-Achtelfinale aufeinander. Anstoß ist um 19:00 Uhr deutsche Zeit. Das Spiel ist live im ZDF sowie bei MagentaTV zu schauen.
Erstmals in seiner Geschichte steht Kanada im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. Marokko hat die Niederlande im Elfmeterschießen rausgeworfen und reist mit dem Selbstbewusstsein einer Mannschaft an, die 2022 das Halbfinale erreichte. Außenseiter gegen Geheimfavoriten und doch ist mehr drin als das Papier vermuten lässt. Der Sieger trifft im Viertelfinale in Boston auf den Gewinner aus Paraguay gegen Frankreich.
Kanada
Kanada hat in diesem Turnier bereits mehrfach Geschichte geschrieben. Das 6:0 gegen Katar, Jonathan Davids Hattrick, der erste K.-o.-Sieg in Kanadas WM-Geschichte gegen Südafrika durch Eustáquios Nachspielzeittor in der 90.+2 Minute – jede Runde bringt einen neuen Rekord. Für Vizekapitän Stephen Eustáquio vom Los Angeles FC war das Tor gegen Südafrika mehr als ein Fußballtreffer: Er verlor 2023 seine Mutter und 2024 seinen Vater. Ein bewegender Moment für den Mann, der Kanada ins Achtelfinale schoss.
Das mit Abstand größte Thema vor diesem Spiel: Alphonso Davies. Der Bayern-München-Kapitän kam gegen Südafrika nach 75 Minuten zu seinem WM-Debüt und veränderte das Spiel sofort. Er kehrte damit nach seinem Kreuzbandriss im März 2025 auf die WM-Bühne zurück, ausgerechnet im selben Stadion in Los Angeles, in dem er sich damals verletzt hatte. Trainer Marsch bestätigte, dass Davies fit genug für einen Startelfeinsatz ist. Laut voraussichtlicher Aufstellung rückt er ins Mittelfeld links, Laryea bleibt Rechtsverteidiger. Kanadas Offensivproblem ohne Davies war offensichtlich, mit ihm ist die linke Seite eine ganz andere Bedrohung. Koné fehlt weiterhin verletzt für das gesamte Turnier.
Voraussichtliche Aufstellung Kanada (4-4-2):
Crépeau – Johnston, Bombito, Cornelius, Laryea – Buchanan, Saliba, Eustáquio, Davies – David, Oluwaseyi
Marokko
Marokko ist die Form-Mannschaft dieses Turniers. Seit August 2025 sind die Atlas-Löwen ungeschlagen – 32 Spiele in Folge ohne Niederlage. In der Gruppenphase gab es ein 1:1 gegen Brasilien, einen 1:0-Sieg gegen Schottland – durch das schnellste Tor des Turniers von Ismael Saibari nach nur 69 Sekunden – und ein 4:2 gegen Haiti. Im Sechzehntelfinale warf Marokko die Niederlande im Elfmeterschießen mit 3:2 raus, nachdem Issa Diop in der Nachspielzeit der Verlängerung per Kopf ausgeglichen hatte.
Die Geschichte rund um Ismael Saibari ist die des Turniers: Der Mittelfeldspieler verwandelte den entscheidenden letzten Elfmeter gegen die Niederlande und wurde einen Tag später offiziell als Bayern-München-Neuzugang bis 2031 vorgestellt. In Houston tritt er erstmals als kommender Bayern-Profi an. Kapitän Achraf Hakimi von PSG treibt über rechts unaufhörlich an, Brahim Díaz orchestriert das Offensivspiel, Saibari agiert als falsche Neun. Das einzige Fragezeichen: Innenverteidiger Chadi Riad verließ das Spiel gegen die Niederlande verletzt und ist fraglich, sein Ersatz wäre Mazraoui in der Innenverteidigung.
Voraussichtliche Aufstellung Marokko (4-2-3-1):
Bounou – Hakimi, Diop, Riad, Mazraoui – Bouaddi, El Aynaoui – Brahim Díaz, Ounahi, El Khannouss – Saibari
Rückblick
Kanada und Marokko haben sich bisher viermal gemessen – Kanada gewann kein einziges Spiel. Bei einer Weltmeisterschaft ist es das erste Duell überhaupt. Was dennoch beide Mannschaften verbindet: Marokko war 2022 die erste afrikanische Nation im WM-Halbfinale. Kanada ist 2026 die erste kanadische Nation im WM-Achtelfinale. Zwei historische Reisen und heute endet eine davon.
Fazit
Marokko ist der Favorit und das mit gutem Grund. Eine Defensive, die in vier Spielen nur zwei Gegentore kassierte, ein Saibari in Topform und die Mentalität einer Mannschaft, die weiß, wie man Turniere gewinnt. Doch Kanada ist nicht zu unterschätzen. Mit einem fitten Davies von Beginn an ist die linke Seite gefährlicher als in jedem bisherigen Spiel dieses Turniers. Jonathan David sucht sein nächstes Tor und Eustáquio trifft gerne spät. Wenn Kanada früh unter Druck setzt und Marokkos Abwehr ins Wanken bringt, ist die Sensation möglich. Wenn Marokko aber den Rhythmus kontrolliert, dürften am Ende Hakimi und Saibari jubeln.
