Bestritt in Düsseldorf seine zweite Davis-Cup-Partie und gewann: Justin Engel.

Nur Spitzenspieler Alexander Zverev wird den Wunsch des deutschen Tennis nach dem geschichtsträchtigen Triumph wohl erfüllen können. Doch Youngster Justin Engel sprach das große Ziel einfach mal aus. «Das nächste Mal versuchen wir, den Davis Cup zu gewinnen. Ich bin auf jeden Fall sehr positiv und kann es kaum erwarten», sagte der Hoffnungsträger für die Zukunft in der jubelnden Düsseldorfer Halle.

Nun ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass die deutschen Tennisspieler das ewige Warten auf den ersten Davis-Cup-Titel seit 1993 beenden wollen. Nach den beiden Halbfinals der vergangenen beiden Jahre startete mit dem 4:0-Pflichtsieg gegen Außenseiter Peru der nächste Anlauf. Ob der 18-jährige Engel das in seiner Euphorie aber so forsch sagen wollte oder ob er die nächste Runde des Davis Cups meinte – ganz eindeutig war das in diesem Moment nicht. Und ob er dabei sein würde?

Teamchef gibt Hoffnung auf Zverev-Start vor Heimkulisse nicht auf

Weltklassespieler Zverev, der seinen Start beim ATP-Turnier in Rotterdam wegen Knöchelproblemen absagen musste, wird ziemlich sicher für den Eintrag in die Geschichtsbücher des Nationen-Wettbewerbs unverzichtbar sein. Für den nahenden Generationswechsel in der Riege hinter der Nummer vier der Welt kann das deutsche Männer-Tennis Engel brauchen. Am Freitag und Samstag war es in der ersten Qualifikationsrunde kein Problem, Zverevs Absage wegzustecken. Und Engel trat erst ins Rampenlicht, als das Weiterkommen feststand.

Die Chancen auf eine Zusage von Zverev für das Heimspiel gegen Kroatien Mitte September um den Einzug in die Finalwoche stünden «nicht so schlecht», mutmaßte Teamchef Michael Kohlmann. «Sein Ziel ist ja, den Davis Cup zu gewinnen. Und ich glaube, in der Konstellation, in der wir noch sind, haben wir immer eine Chance.» Da der folgende Laver Cup in London stattfindet, wäre die Anreise aus dem noch zu bestimmenden deutschen Spielort für Zverev nicht weit. Die nächste Runde steigt jedoch nach den US Open. Die Strapazen dadurch sind womöglich groß.

Engel musste sich noch bei seinen deutlich älteren, siegreichen Teamkollegen Yannick Hanfmann (34), Jan-Lennard Struff (35) und Kevin Krawietz (34) sowie Tim Pütz (38) bedanken, dass er als Ersatzmann angesichts der Vorentscheidung ran durfte. Krawietz/Pütz hatten die Begegnung mit dem kurios verlaufenden 6:0, 2:6, 6:4 im Doppel entschieden. 

«Keine Frage, um den Davis Cup zu gewinnen, brauchen wir wahrscheinlich Sascha Zverev», sagte Hanfmann. «Aber trotzdem haben wir echt immer gezeigt, dass wir den Davis Cup gut spielen, dass der Ü30-Verein auch funktioniert.»

Der Teenie sprengt den Ü30-Club

Engel deutete an, wie wichtig er in der Zukunft werden kann. Voller Energie trieb der Teenager beim 6:3, 6:7 (4:7), 10:6 gegen Gonzalo Bueno zum 4:0-Endstand das Publikum an, ihn anzufeuern. «Ich war mit dem Team, mit Justin sowieso, sehr zufrieden», fasste Kohlmann zusammen. «Es war perfekt in der Zusammenstellung. Es hat sich bestätigt, dass eine gute Team-Chemie immer auch wichtig ist.»

Fast halb so alt wie die Teamkollegen und sogar 20 Jahre jünger als Pütz mischt Engel die als verschworenen Haufen bekannte Einheit auf. Der Blondschopf führt eine Gruppe vielversprechender Talente an. Etabliert im Davis Cup ist die Nummer 196 der Welt noch nicht. Wenn Zverev (28) oder der im Erstrundenduell ebenso fehlende Daniel Altmaier (27) für die nächsten Aufgaben zusagen, könnten Engel aus dem Aufgebot fallen.