Die wegweisende Champions-League-Mission soll dem FC Bayern beim Frustabbau nach der Bundesliga-Pleite helfen. «Die Wut, die dadurch in uns steckt, lassen wir im nächsten Spiel heraus», kündigte Nationalspieler Jonathan Tah für die finale Prüfung der Liga-Phase in Europas Fußball-Königsklasse an. Ein Punkt im Auswärtsspiel am Mittwoch (21.00 Uhr/Dazn) bei der PSV Eindhoven reicht, um sich den wichtigen zweiten Platz in der Tabelle hinter dem FC Arsenal zu sichern.
Platz zwei bringt gleich mehrere Vorteile
«Das ist ein großer Anreiz», sagte der beim 1:2 gegen den FC Augsburg ausnahmsweise mal leer ausgegangene Torjäger Harry Kane. Rang zwei hinter den Londonern – rein theoretisch wäre auch noch Platz eins drin – würde den Münchnern für alle K.o.-Runden auf dem Weg in das Endspiel am 30. Mai in Budapest das entscheidende Heimrecht jeweils im Rückspiel sichern.
«Dann gehst du auch Arsenal aus dem Weg», nannte Sportvorstand Max Eberl einen weiteren erfolgversprechenden Faktor. Zusammen mit dem Heimrecht sei das «ein ehrenwertes Ziel, das wir gegen PSV zu erreichen haben», forderte der 52-Jährige.
Spannende Achtelfinal-Gedankenspiele
Für das Achtelfinale am 10./11. und 17./18. März waren die Münchner schon vor dem Abflug aus der sonnigen Heimat wie der in allen sieben Spielen siegreiche Bayern-Bezwinger FC Arsenal qualifiziert. Über den Gegner in der Runde der besten 16 Teams kann aber nur spekuliert werden.
Galatasaray Istanbul mit Leroy Sané? Borussia Dortmund? Bayer Leverkusen? Vorjahresfinalist Inter Mailand? Freunde von Tabellenrechnern können sich vor den 18 abschließenden Spielen austoben. Der potenzielle Münchner Achtelfinalkontrahent müsste aber erst mal die Playoffs im Februar meistern.
Solche Fragen sind nach dem Ende der Bundesliga-Serie von 27 Spielen ohne Niederlage aber noch weiter weg als ohnehin. «Ein Spiel zu verlieren, ist menschlich. Wichtig wird sein, wie wir darauf reagieren», sagte Bayerns Mittelfeldchef Joshua Kimmich. Nach seiner zeitweiligen Verschnaufpause gegen den FCA soll er wieder in der Startelf das Kommando übernehmen.
Wiedersehen mit Wanner und Bosz
«Wir müssen unsere Prinzipien in jedem Spiel auf den Platz bringen, egal ob wir gegen Eindhoven, Augsburg, Paris oder Arsenal spielen», führte Kimmich aus. Nach dem Augsburger Coup liebäugelt auch Eindhoven um Ex-Münchner Paul Wanner mit einer Überraschung.
PSV-Trainer Peter Bosz kennt die Bayern aus seiner Zeit als Leverkusener und Dortmunder Coach nur allzu gut. «Sie haben eine enorme Qualität in ihrem Team», sagte Bosz. Sein Team braucht wohl mindestens einen Zähler, um den Einzug in die Playoffs perfekt zu machen. «Wir spielen auf Sieg.»
Bosz stimmte seine PSV-Defensive gerade nach der Münchner Tor-Magerkost gegen den FCA auf viel Arbeit ein. Mit 20 Toren sind Kane, Michael Olise & Co. gemeinsam mit Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal die treffsicherste Mannschaft der Königsklasse. «Das Wichtigste ist, dass wir am Mittwoch auf dem Platz eine Reaktion zeigen», sagte Kane. Er setzt auf den Lerneffekt aus dem Augsburg-Fauxpas. «Wir werden jetzt nicht in Panik geraten und uns zu sehr mitreißen lassen», sagte Englands Nationalmannschaftskapitän.
Kimmich: Jeder in der Kabine hat es gemerkt
Zwar sei die Tabellenkonstellation vor dem Duell bei der PSV komfortabel, dennoch müsse man «mit demselben Mindset wie in allen Spielen rangehen», mahnte Kane. Kimmich sprach die wichtigste Lektion klar an. «Ich glaube, jeder in der Kabine hat gemerkt, dass es eben harte Arbeit braucht, immer am Top-Level zu sein. Diese Arbeit, die müssen wir wieder reinstecken», sagte der Vizekapitän. Wie er wird Kapitän Manuel Neuer zurück in der Startformation erwartet.
Bosz‘ Bayern-Bilanz mit fünf Niederlagen in sieben Spielen kann dem niederländischen Champion ebenso wenig Hoffnung machen wie Eindhovens Rekordmeister-Historie. In acht Begegnungen mit der PSV mussten sich die Münchner nur einmal geschlagen geben. Ruud van Nistelrooy und Luc Nilis schossen Eindhoven im Oktober 1999 zum bis heute einzigen Sieg (2:1).

