Die Olympia-Generalprobe haben Minerva Hase (v) und Nikita Volodin verpatzt.

Umhüllt mit der Deutschland-Fahne konnten sich Minerva Hase und Nikita Volodin bei ihrer Ehrenrunde auf dem Eis in Sheffield zwar schon wieder ein Lächeln abringen. Zufrieden war das deutsche Paarlauf-Duo nach der mächtig verpatzten Olympia-Generalprobe und Platz zwei bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft jedoch nicht. «Ich denke, das weiß wohl jeder», betonte Hase.

Zu viel ging im Kurzprogramm und in der Kür schief – zu viel, um den EM-Titel zu verteidigen und vor allem Selbstvertrauen für den wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere bei den Winterspielen in Italien in einem Monat zu sammeln. Dem Paar fehlten dafür ausgerechnet in der britischen Stahlstadt die berühmten Nerven aus Stahl. Statt Gold und Selbstvertrauen gab es Silber, enttäuschte Mienen und einen blauen Fleck. Und die Olympia-Mission scheint mehr denn je in Gefahr zu geraten.

Hase: «Keine Vollkatastrophe»

«Man hat einfach immer Wettkampftage, wo es nicht zusammenkommen will und heute Abend war irgendwie so ein Tag», sagte Hase und fügte hinzu: «Das Einlaufen war auch noch gut und in der Kür haben dann einfach verschiedene Wackler und vielleicht Unkonzentriertheiten dazu geführt, dass es nicht perfekt laufen sollte.» Es sei aber auch «keine Vollkatastrophe» gewesen.

Von ihrem Weg zu Olympia wollen sich Hase/Volodin trotz des Rückschlags nicht abbringen lassen. «Ich denke, wir haben viel Motivation und Energie getankt, um wieder ins Training zu gehen und die Wochen vor den Olympischen Spielen zu nutzen, um hoffentlich unser volles Potenzial zu zeigen, so wie wir es können», sagte die 26-Jährige.

Blauer Fleck und verschnupfte Nase

Hase war beim Wurfrittberger gestürzt und dabei auf einer rauen Eisstelle zu Fall gekommen. «Ich habe mir dabei die Haut aufgeschürft und ein bisschen geblutet, aber es ist nur blau, also nichts Ernstes», erklärte die Berlinerin.

Der Vizeweltmeisterin machte zudem auch noch eine verschnupfte Nase zu schaffen. «Ich bin jetzt nicht bei 100 Prozent. Ich würde jetzt aber nicht sagen, dass das der Grund ist, warum die Kür so lief, wie sie lief. Das ist jetzt keine Ausrede, sondern vielleicht ein kleiner Störfaktor.»

Fast zwölf Punkte Rückstand: «Macht uns gar keine Sorgen»

Neben dem Sturz beim Wurfrittberger sorgten auch noch ein Wackler von Volodin in der Sprungkombination und ein Sturz wenige Momente vor Ende des Kürprogramms bei einer Hebefigur für große Punktabzüge. «Das wird nicht noch einmal passieren. Da bin ich mir sehr sicher», sagte Hase über den ungewöhnlichen Fauxpas bei der Hebung. Solch ein Fehler passiere den beiden «normalerweise nie».

Der Rückstand auf die siegreichen Georgier Anastasia Metelkina/Luka Berulawa, die ebenfalls nicht perfekt liefen, betrug am Ende fast zwölf Zähler. Beunruhigt sind Hase/Volodin angesichts des beträchtlichen Abstands aber nicht. 

«Also für die Fehler, die wir gemacht haben, haben wir sehr gute Punkte bekommen», sagte Hase. «Das macht uns gar keine Sorgen, dass heute der Punktabstand groß war. Es war einfach unsere Leistung, die nicht gut war.»

«Gute Lernerfahrung»

Unabhängig von den Darbietungen der Konkurrenz benötigen Hase/Volodin für Edelmetall bei Olympia in Mailand, geschweige denn für die Goldmedaille, eine Leistungssteigerung. «Es ist eine gute Lernerfahrung, die uns viel Motivation für die Zukunft gibt», äußerte Hase. Man sei trotz des Ergebnisses «immer noch auf dem richtigen Weg».

So sicher und konstant wie in der vergangenen Saison, als das deutsche Duo den EM-Titel bejubelte und Vizeweltmeister wurde, wirken Hase/Volodin allerdings nicht. «Vielleicht ist es auch ganz gut, dass es nicht zu früh perfekt war», sagte Jens ter Laak, der als Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union tätig ist.

Hocke/Kunkel «sehr, sehr zufrieden»

Mit dem Gesamtergebnis in der Paarlaufkonkurrenz konnte ter Laak zufrieden sein. Nach vielen Verletzungsproblemen in den vergangenen Monaten und Jahren meldete sich das zweite deutsche Duo Annika Hocke und Robert Kunkel bei der EM mit einem guten vierten Platz hinter den Ungarn Maria Pavlova/Alexei Sviatchenko zurück. «Wir sind sehr, sehr zufrieden», sagte Kunkel. Bei Olympia wolle man mit den «gleichen Emotionen» laufen wie bei der EM, fügte er hinzu.

Hocke/Kunkel seien ein «tolles Programm» gelaufen, lobte ter Laak. Der Druck sei aber auch nicht so hoch wie bei Hase/Volodin. Der Umgang mit genau jenem Druck dürfte bei Olympia die größte Herausforderung für die Vizeweltmeister und nun auch Vizeeuropameister sein.