Auf turbulente Tage nach Schummelvorwürfen folgte am Ende trotzdem die Gold-Krönung: Kanadas Curler Marc Kennedy hat nach dem Olympiasieg mit seiner Mannschaft offen über Hassnachrichten während des Curling-Turniers gesprochen. «Es gab in dieser Woche viel Hass da draußen, aber wir haben uns entschieden, diesen Hass nicht in unsere Kabine zu lassen, ihm keinen Raum in unseren Köpfen zu geben und uns einfach gegenseitig zu vertrauen», sagte der 44-Jährige.
Kurz zuvor hatte sich das kanadische Team in Cortina d’Ampezzo in einem spannenden Finale mit 9:6 gegen Großbritannien durchgesetzt. Kennedy und seine Kollegen fielen sich in die Arme, schrien gelöst ihre Freude heraus und feierten dann mit ihren Fans.
«Es bedeutet mir die Welt, meine Teamkollegen mit einer Medaille um den Hals zu sehen. Ich weiß nicht, ob die Leute jemals verstehen werden, was wir als Team in dieser Woche durchgemacht haben – was ich ihnen als Team in dieser Woche zugemutet habe», sagte Kennedy. «Ich bin einfach so stolz auf sie. Ich liebe diese Jungs.»
Kennedys angebliche Schummelei bestimmte Schlagzeilen
Kennedy hatte zu Beginn des Curling-Turniers wegen einer angeblichen Schummelei großen Wirbel ausgelöst. Der Schwede Oskar Eriksson warf dem Kanadier eine irreguläre mehrmalige Berührung des Steins während der Abgabe vor. Kennedy reagierte sichtlich verärgert, stritt einen Regelverstoß ab und rief seinem Kontrahenten sogar ein derbes «Fuck off» hinterher: «Verpiss dich.»
«Ich hätte das definitiv besser handhaben können»
Mit der Goldmedaille um den Hals und etwas Abstand sagte der Kanadier nun: «Ich hätte das besser lösen können, absolut. Aber was geschehen ist, ist geschehen.»
Nach dem Wortgefecht nahm der Wirbel seinen Lauf: Der Curling-Weltverband verwarnte Kennedy mündlich und führte wegen mehrerer Vorfälle dieser Art bei allen Spielen eine verstärkte Überwachung der Steinabgaben ein. Auch das Netz schaute genauer hin: Lustige Memes der angeblichen Schummelei Kennedys eroberten soziale Medien, aber eben auch Hasskommentare gegen den 44-Jährigen.
Trotz der Nebengeräusche jubelten am Ende die Kanadier. Für Kennedy war es der zweite Olympiasieg, 2010 hatte er mit dem kanadischen Team bereits in Vancouver bei den Olympischen Spielen im eigenen Land Gold geholt. Beim erneuten Gold-Coup Kanadas in Sotschi 2014 fehlte er.

