Deutschlands Eishockey-Cracks um NHL-Superstar Leon Draisaitl droht nach einem unerwarteten Rückschlag gegen Lettland ein schnelles Olympia-Aus. Viel Schusspech, ungenügendes Über- und Unterzahlspiel und eine schlechte Abwehr sorgten für das bittere 3:4 (2:1, 0:1, 1:2) im zweiten Gruppenspiel, das der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes noch teuer zu stehen kommen könnte.
«Wir hatten mit Sicherheit genug Chancen, um noch das ein oder andere Tor mehr zu machen», stellte Kapitän Draisaitl fest. Trotz etlicher Chancen blieb er diesmal ohne Torerfolg und steuerte nur eine Torvorlage zum letzten deutschen Treffer von NHL-Stürmer Tim Stützle (58. Minute) bei.
Angesichts des Schussverhältnisses und des deutschen Dauerdrucks im letzten Drittel waren dieser und die beiden vorherigen Tore von Lukas Reichel (3.) und Lukas Kälble (58.) viel zu wenig für das Team von Bundestrainer Harold Kreis. Die mit insgesamt acht eher durchschnittlichen Nordamerika-Profis bei Olympia angetretenen Letten waren wesentlich effektiver.
Letten mit besserer Ausbeute
Zwei Überzahl-Treffer von Dans Locmelis (16./29.) sorgten zweimal für den Ausgleich. Als Deutschland im Schlussdrittel das Spiel mit den NHL-Superstürmern Draisaitl (Edmonton Oilers), Stützle (Ottawa Senators) und JJ Peterka (Utah Mammoth) in einer Reihe entscheiden wollte, schlugen Eduards Tralmaks (49.) und Renars Krastenbergs (52.) auf der Gegenseite zu. «Wir sind im letzten Drittel gefühlt nur bei denen in der Zone und die machen zwei Hütten», schimpfte Peterka.
Stützle kritisierte offen die unzureichende Defensivleistung: «Wir haben hinten zu viele Großchancen und Alleingänge zugelassen.» Zudem gelang diesmal kein Tor in Überzahl, während die Letten im Powerplay zweimal erfolgreich waren. «Der Special-Team-Battle hat uns gekillt», analysierte Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm das Spiel in Über- und Unterzahl.
Letztes Gruppenspiel gegen USA
Nach dem 3:1 zum Auftakt am Donnerstag gegen Dänemark steht bereits am Sonntag (21.10 Uhr/ZDF und Eurosport) das abschließende Gruppenspiel gegen Weltmeister USA an. Dann ist Deutschland klarer Außenseiter. «Wir müssen dann unser Ding machen und lange geduldig bleiben», sagte Draisaitl zum Showdown, indem alles andere als eine Niederlage überraschend wäre.
Deutschland hat somit kaum noch Chancen, als bester Gruppensieger oder bester Gruppenzweiter direkt ins Viertelfinale einzuziehen. Wegen der am Samstag entgangenen Punkte gegen Lettland droht in der wahrscheinlichen Viertelfinal-Qualifikation nun auch ein stärkerer Gegner und damit ein schnelles Turnier-Aus. «Ein frustrierender Nachmittag», schimpfte NHL-Angreifer Sturm von Minnesota Wild.
Dabei hatte das deutsche Team wie schon gegen Dänemark wieder einen Traumstart erwischt und war bereits nach 126 Sekunden durch Nordamerika-Profi Reichel in Führung gegangen. «Danach ist uns das Spiel entglitten. Simultan zu den Strafzeiten, die wir dann kassiert haben», sagte Sturm.
Zu umständlich und zu langsam war danach lange Zeit das deutsche Spiel. Lettland brach dagegen immer wieder in Eins-zu-eins-Situationen durch. Unterzahl-Spezialist Sturm sprach von einem «schlampigen» Auftritt: «Es gibt einiges, was wir verbessern müssen.» Gegen die USA soll NHL-Keeper Grubauer (Seattle Kraken) zudem eine Pause erhalten. Erwartet wird, dass Maximilian Franzreb von den Adler Mannheim dann zu einem Olympia-Highlight gegen die NHL-Stars der USA kommt.

