Die UCI setzt auf Geschlechtstests für Olympia – doch GPS-Tracking bleibt vorerst offen. Was steckt hinter dem Streit um Daten und Haftung?
Montreal (dpa) –
Der Radsport-Weltverband UCI hat die Einführung eines Geschlechtstests für Olympische Spiele beschlossen, eine Verpflichtung zu GPS-Sendern allerdings verschoben. Im Rahmen der Straßenrad-WM in Montreal teilte die UCI mit, man werde noch vor Jahresende Richtlinien für den einmalig vorgenommenen Test festlegen, der nur für Wettbewerbe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gelten soll.
Das IOC hatte Ende März unter dem Druck des nächsten Olympia-Gastgebers Donald Trump einen Geschlechtertest von Sportlerinnen zur Teilnahme an Frauen-Wettbewerben beschlossen. Auslöser für die Diskussionen war eine Debatte bei den Sommerspielen 2024, in deren Zentrum die Box-Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting standen. Beide waren zuvor vom Weltverband von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten. Bei Olympia durften beide starten.
Kein Zeitplan für GPS-Pflicht
Eigentlich war erwartet worden, dass die UCI in Montreal zudem das Anbringen von GPS-Sendern an Fahrzeugen und Rädern ab 2027 verpflichtend macht. Zu diesem Thema hatte es einen offenen Streit mit diversen Teams gegeben, die verschiedene Richtlinien gefordert hatten. Dabei ging es unter anderem um die Haftung sowie die kommerzielle Nutzung der GPS-Daten.
Nun teilte die UCI mit, dass ein flächendeckendes GPS-Tracking nach wie vor vorbereitet werden soll. Allerdings wurde diese Maßnahme weder mit einem vollständigen Regelwerk noch mit einem Zeitplan hinterlegt. Für Weltverbands-Präsident David Lappartient kann dies als Niederlage gewertet werden. Der Franzose hatte auf eine schnelle Umsetzung gedrängt und betont, sich nicht von Teams erpressen zu lassen.
Sechs Jahre nach Jakobsen: Neue Absperrungen Vorschrift
Beim Thema Sicherheit beschloss der Verband die Verpflichtung zu speziellen, sichereren Absperrgittern auf den letzten 200 Metern eines Rennens. Diese werden bereits von einigen Veranstaltern eingesetzt, sind vom kommenden Jahr an verpflichtend.
Die Maßnahme kommt sechs Jahre nach dem schweren Sturz von Fabio Jakobsen bei der Polen-Rundfahrt. Der Niederländer wurde bei Tempo 80 im Sprint in die Absperrgitter gedrängt und erlitt bei dem Sturz lebensgefährliche Verletzungen. Jakobsen lag zwei Tage im Koma, erlitt mehrere Knochenbrüche und schwere Gesichtsverletzungen.
