Euphorisch und auch noch etwas ungläubig fielen sich Coletta Rydzek und Laura Gimmler auf dem Podest in der Sonne von Tesero in die Arme. «Ich habe schon zu Coletta gesagt: Das ist jetzt wie ein Ehering, das verbindet uns für immer», kommentierte Gimmler den Bronze-Coup der deutschen Langläuferinnen. «Wir werden ab jetzt alles in vollen Zügen genießen. Das erlebt man nicht so oft im Leben.»
Nach dem Erfolg im packenden Team Sprint berichtete Gimmler von überwundenen Widerständen und großen Problemen vor dem Rennen. «Wir standen seit gestern Abend so krass unter Druck, weil wir einfach wussten, dass es voll möglich ist», sagte die 32-Jährige. «Wir haben beide nicht geschlafen. Wir haben beide schlecht gegessen. Coletta hat sich ein paar Mal übergeben. Ich hatte auch meine Probleme», ergänzte sie und wurde von der jubelnden Rydzek unterbrochen: «Egal – Bronze!», rief sie.
Rydzek: Medaille ist «für alle»
Für beide ist es die erste Olympia-Medaille und der größte Erfolg der bisherigen Karriere. Die Bedeutung des Erreichten geht jedoch darüber hinaus.
Die Oberstdorferinnen bescherten dem zuletzt arg gebeutelten Team von Teamchef Peter Schlickenrieder quasi bei der letzten realistischen Chance das erste Edelmetall bei diesen Winterspielen. Entsprechend groß war der Jubel in der ganzen Olympia-Mannschaft. «Ein Traum», sagte Schlickenrieder. Seinen beiden Athletinnen attestierte er «Kämpferblut».
«Es ist nicht nur eine Medaille für uns, sondern für alle», sagte Rydzek, die im Ziel von ihrem weinenden Bruder Johannes Rydzek empfangen wurde. «Das war sehr emotional», sagte der 34-Jährige, der in der Nordischen Kombination bereits vier Medaillen bei Olympia gewonnen hat.
Gimmler: «Ich konnte kaum hinschauen»
Seine sechs Jahre jüngere Schwester zog in einem grandiosen Finale mit einem starken Schlussspurt noch an der Norwegerin Julie Bjervig Drivenes vorbei und sicherte so Platz drei. «Ich wusste, dass ich alles reinhauen muss, damit unser Traum wahr wird», sagte sie.
Gimmler, die ihren Part zu der Zeit schon absolviert hatte und zum Zuschauen verdammt war, meinte: «Ich konnte kaum hinschauen. Eigentlich kann man der Coletta auf der Zielgeraden voll vertrauen. Aber es war wirklich mega spannend.»
Rydzek und Gimmler mussten sich nur den siegreichen Schwedinnen Jonna Sundling und Maja Dahlqvist sowie den zweitplatzierten Nadja Kälin und Nadine Fähndrich aus der Schweiz geschlagen geben.
2022 gab es Gold und Silber für Deutschland
Vor vier Jahren in China hatten Katharina Hennig Dotzler (damals noch Hennig) und Victoria Carl im Team Sprint sensationell Gold gewonnen. Zudem gab es Silber mit der Staffel der Frauen über 4 x 5 Kilometer. Carl ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt. Hennig Dotzler jubelte im Stadion mit Rydzek und Gimmler.
Im Team Sprint laufen zwei Athletinnen pro Team im Wechsel. Jede Sportlerin absolviert drei Runden, die jeweils 1,5 Kilometer lang sind.

