Lindsey Vonn wurde nach ihrem Sturz lange behandelt.

Lindsey Vonns Traum endete in einer Tragödie – und die Sportwelt leidet mit. Der heftige Sturz, bei dem sich die Amerikanerin in der Olympia-Abfahrt von Cortina d’Ampezzo schwer verletzt hat, ist weiter eines der beherrschenden Themen der Winterspiele in Italien. Das Drama löst Mitgefühl aus, mitunter aber auch Diskussionen. Hätte der Start der 41 Jahre alten Ausnahme-Skirennfahrerin, die bereits mit einer schweren Vorverletzung ins Rennen ging, verhindert werden müssen?

Verbände weisen Kritik an Start zurück

Vonn hatte gut eine Woche vor der Olympia-Abfahrt nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten. «Ich glaube fest daran, dass so etwas von jedem einzelnen Athleten selbst entschieden werden muss», sagte Ski-Weltverbands-Präsident Johan Eliasch angesprochen darauf, dass Vonn am Sonntag verletzt auf die Strecke gegangen war. Sie kenne ihren Körper sicher besser als jeder andere, meinte Eliasch. Die einstige Speed-Queen habe auch einfach «unglaublich viel Pech» gehabt.

Ähnlich äußerte sich das Internationale Olympische Komitee (IOC). «Es ist nicht an uns, da Ja oder Nein zu sagen, das liegt allein bei ihr», sagte Sportdirektor Pierre Ducrey am Tag nach dem Drama auf der Piste Olimpia delle Tofane. Mit dem Einsatz der Rettungskräfte sei das IOC «sehr zufrieden» gewesen.

Berichte über Operation am linken Bein

Am Sonntag hatte die Ski-Welt gebannt nach Cortina geschaut, seit dem schweren Sturz richten sich die Blicke nach Treviso. Dort war Vonn nach ihrem Unfall ins Krankenhaus gebracht worden. Nähere Informationen zu ihrem Zustand drangen zunächst aber nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit.

«Anscheinend soll es ein Bruch im Unterschenkel sein», hatte der Speed-Trainer des US-Teams, Alex Hödlmoser, dem Sender SRF in einem ersten Statement gesagt. Die italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos meldeten etwas später unter Berufung auf das Krankenhaus, dass Vonn dort am linken Bein operiert worden sei. Es ist das bittere Ende eines bemerkenswerten Comebacks. Und Gesprächsstoff weit über Italien hinaus.

CNN: «Schockierende Wendung des Comebacks»

«Dieses Ende wünscht Lindsey Vonn niemand», schrieb der Schweizer «Blick» und schaute unter dem Titel «Vonns Leben zwischen Himmel und Hölle» auf die glorreiche Laufbahn der einstigen Alpin-Dominatorin zurück. Ein «Albtraumtag» sei das für Vonn gewesen, schrieb die italienische Zeitung «Gazzetta dello Sport». Von einem «herzzerreißenden Umschwung» und einer «schockierenden Wendung des Comebacks» berichtete CNN. Vonns Sturz habe die Zuschauer an der Strecke «erschaudern» lassen, schilderte «Corriere dello Sport».

Zu diesen Zuschauern gehörte auch Vonns Vater Alan Kildow. «Es bricht mir das Herz», sagte er der ARD. Seine Tochter sei «eine Kriegerin, eine Kämpferin». Er glaube fest daran, dass sie auch aus dieser Situation gestärkt hervorgehen werde, meinte Kildow. Sie sei ein «fantastischer Champion». Ihr Herz schmerze für Vonn, sagte Teamkollegin und Goldmedaillengewinnerin Breezy Johnson.

Fahrfehler führt zu verhängnisvollem Sturz

Vonn wollte zum Abschluss ihrer Karriere bei den Winterspielen in Italien unbedingt noch mal eine Medaille holen, ihre viel beachtete Rückkehr krönen – und es auch ihren Kritikern noch mal richtig zeigen. Doch schon nach rund 13 Sekunden war sie nach einem Fahrfehler, der nichts mit dem Knie zu tun hatte, zu Fall gekommen. Die viermalige Gesamtweltcupsiegerin war heftig auf die Piste aufgeschlagen, lange behandelt und schließlich per Hubschrauber geborgen worden.

Statt des erhofften Happy Ends erlebte die Olympiasiegerin von 2010 in Cortina d’Ampezzo, wo sie so oft gewonnen hat wie niemand sonst im Weltcup, eine sportliche Tragödie. Und schockierte damit die Sportwelt.