Der THW Kiel hadert im dramatischen Derby gegen Flensburg mit dem Videobeweis, der den Hausherren den Sieg kostet. Selbst der Gegner zeigt Verständnis.
Kiel (dpa) –
Nach dem frustrierenden Schlusspunkt beim dramatischen 31:31 im 117. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt herrschten Frust und Unverständnis beim Handball-Rekordmeister THW Kiel. «Nach meiner persönlichen Wahrnehmung sehe ich da nichts, bei dem die Schiedsrichter eventuell Zweifel haben könnten und deshalb zum Videobeweis gehen», sagte THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler und fragte ratlos: «Natürlich gibt es diese Regel, aber was hat sie dazu veranlasst, da hinzugehen?»
Mit der letzten Aktion hatte Nationalspieler Julian Köster das vermeintliche 32:31 für die Kieler erzielt und für Jubelstimmung beim THW gesorgt. Doch die Schiedsrichter sahen sich minutenlang die Videobilder an und versagten dem Treffer die Anerkennung, weil Vorbereiter Domen Makuc einen Schrittfehler begangen hatte.
«Dass es Schritte von Domen sind, da sind wir uns einig. Aber die Beweggründe, warum die Schiedsrichter zum Videobeweis gegangen sind und wo sie sich nicht sicher waren, würden mich in der Tat interessieren», sagte Pekeler.
Flensburg zeigt Verständnis für Kieler Frust
Ähnlich bewertete THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi die Szene. «Ich war sehr überrascht über die Entscheidung. Anscheinend ist alles regelkonform. Ob es dem Sport hilft, muss man entscheiden. Ich weiß nicht, mit welcher Begründung man sich die Szene anschaut und dann doch ein paar Szenen zurückgeht», sagte er.
In einem Spiel gebe es «ganz, ganz viele solcher Situationen. Dass man dann noch einmal zwei Szenen zurückgeht, ist natürlich bitter. Das tut gerade einfach weh», so Szilagyi. Er hoffe, «dass wir irgendwann eine Erklärung dafür bekommen.»
Selbst die Flensburger, die durch das Remis dank der besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor den punktgleichen Kielern (beide 11:1) behaupteten, zeigten Verständnis für den Frust beim Rivalen. «Es ist eine wirklich harte Entscheidung. Ich verstehe Kiel und ich verstehe die Halle. Wäre es andersherum gewesen, wäre ich vielleicht auch sauer», sagte SG-Rückraumspieler Simon Pytlick.
Zwar sei der technische Fehler deutlich zu sehen gewesen. «Aber man kann im Spiel sehr oft Schritte finden», sagte der dänische Welt- und Europameister und ergänzte: «Sportlich weiß ich nicht, ob es die richtige Entscheidung war, weil so etwas sehr oft im Spiel passiert.»
