Los Angeles – Eine Stadt, die kein Turnier braucht um sich zu präsentieren
Manche WM-Städte bereiten sich vor, Los Angeles nicht – es existiert einfach weiter, und der Rest der Welt kommt dazu. Die Metropolregion zählt über zwölf Millionen Menschen, gesprochen werden insgesamt mehr als 200 Sprachen und die Latino-Bevölkerung, für die Fußball nie Kulturgut war- sondern einfach Fußball. LA ist laut, zerrissen, glamourös und vollkommen unbeeindruckt von sich selbst. Genau deswegen passt die WM hierher wie nirgendwo sonst.
Bezahlt wird mit US-Dollar ($), die Zeitzone ist Pacific Time (neun Stunden hinter Mitteleuropa). Für die Einreise aus der EU ist ein ESTA oder ein Visum nötig, das man rechtzeitig beantragen sollte. Das Klima im Juni ist angenehm trocken und sonnig, Tageshöchstwerte betragen um die 27 Grad, abends wird es aber kühler als erwartet. Die berühmte Küstenkühle macht LA im Sommer erträglicher als die meisten anderen WM-Standorte.
Los Angeles ist riesig und dezentral. Es gibt kein klassisches Zentrum, das alles zusammenhält. Die Stadt besteht aus Vierteln, die sich wie eigenständige Orte anfühlen. Ein Auto hilft dermaßen in der Stadt, aber für die WM-Wochen wird LA Metro zusätzliche Buslinien und Direktshuttles zum Stadion einrichten. Wer den öffentlichen Verkehr nutzt, kommt ans Ziel – es braucht nur mehr Geduld als in europäischen Städten.
Wusstest du: Los Angeles ist die einzige Stadt der Welt, die drei WM-Finale ausgerichtet hat- 1994 gewann Brasilien in Pasadena gegen Italien, damals vor über 94.000 Zuschauern!
LA war schon mal dabei – 1994 und der Rose Bowl
Die WM 1994 hält bis heute den Zuschauerrekord für ein Fußballturnier in der Geschichte. Los Angeles war der Mittelpunkt dieses Turniers, der Rose Bowl in Pasadena war der Austragungsort des Finales. Das Finale von 1994 ist Teil der kollektiven Erinnerung dieser Stadt – jeder Fan hier kennt die Geschichte.
Dreißig Jahre später kehrt das Weltberühmte Turnier zurück und diesmal ist die Infrastruktur eine andere. Das Stadion ist neuer, teurer und technisch aufwändiger als alles, was im Jahr 1994 existiert hat. Dennoch ist die Fanbasis dieselbe und in einer Stadt wie LA auch noch deutlich gewachsen.
Das Stadion – Jetzt offiziell: Los Angeles Stadium
Das SoFi Stadium, für die Dauer des Turniers unter dem Turniernamen „Los Angeles Stadium“, ist der einzige überdachte WM-Spielort 2026 in den USA. Das ist kein irrelevantes Detail: Bei Temperaturen im Juni und direkter südkalifornischer Sonne ist ein Dach über dem Kopf ein echter Vorteil für Spieler sowie Zuschauer. Das transluzente ETFE-Dach bedeckt die gesamte Arena, lässt dabei aber Licht herein und sorgt für ein Open-Air-Gefühl, obwohl man technisch gesehen drinnen sitzt.
Die Spielstätte öffnete im September 2020 und gilt mit Baukosten zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar als das teuerste Stadion, das jemals gebaut wurde. Entworfen vom Architekturbüro HKS, verfügt das Stadion über ein ovales doppelseitiges 4K-HDR-Videobord, bekannt als „Infinity Screen“, und eine Schüssel, die unterhalb des Bodenniveaus liegt. Das Ergebnis ist eine Akustik, die Lärm einschließt und ihn nicht entweichen lässt.
Für die WM wird das Stadion mit einer Kapazität von 69.650 Zuschauern betrieben, da für die FIFA-Norm einige Eckplätze weichen müssen. Das Stadion liegt in Inglewood, direkt östlich des Flughafens LAX. LA Metro wird für alle acht WM-Spiele 300 zusätzliche Busse als Direktshuttle zum Stadion einsetzen.
Die Spiele und die Gruppen
Los Angeles richtet fünf Gruppenspiele, zwei Sechzehntelfinale und ein Viertelfinale aus – insgesamt acht Spiele über fast vier Wochen.
Der Plan:
- 12. Juni: USA vs. Paraguay (Gruppe D)
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- Juni: Iran vs. Neuseeland (Gruppe G)
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- Juni: Schweiz vs. Bosnien-Herzegowina (Gruppe B)
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- Juni: Belgien vs. Iran (Gruppe G)
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- Juni: USA vs. Türkei (Gruppe D)
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- Juni: Sechzehntelfinale
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- Juli: Sechzehntelfinale
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- Juli: Viertelfinale
Die USA eröffnen ihre WM-Kampagne am 12. Juni in Inglewood – das ist das erste WM-Heimspiel des amerikanischen Teams seit 32 Jahren. Und LA als Austragungsort dieses Auftaktmatches ist kein Zufall: Gregg Berhalter, der amerikanische Nationaltrainer, bezeichnete LA als „ikonische Fußballstadt“.
Das Viertelfinale am 10. Juli ist das sportliche Highlight für alle Einwohner und zugereisten die bis dahin in der Stadt bleiben- wer dabei ist, sieht den Moment, in dem acht Teams auf vier reduziert werden.
Fans – Wen trifft man in Los Angeles?
Amerikanische Fans
Die USA Team spielt zwei ihrer drei Gruppenspiele in dem SoFi Stadium. Das bedeutet zweimal Heimspielatmosphäre, zweimal die besondere Energie, die entsteht, wenn eine Stadt die eigene Nationalmannschaft nach langer Zeitwieder zu Hause spielen sieht. Amerikanische Fußballfans, besonders die jüngere Generation, sind nicht mehr das, was europäische Vorurteile über amerikanischen Fußball sagen. Sie sind laut, sie kennen das Spiel und sie kommen voller Vorfreude und stolz.
Lateinamerikanische Fans
Das ‚interessantere‘ Publikum in LA ist aber ein anderes, die enorme Latino-Bevölkerung der Stadt bringt authentische Fußballleidenschaft mit. Die Viertel im Süden der Stadt sind die Orte an denen Fußball nie etwas sein musste, das man erst entdeckt. Wenn Paraguay und Iran gegeneinander antreten, werden diese Fans mitfiebern. Nicht unbedingt für eine dieser Mannschaften, aber für ihre Landesnachbarn und das Spiel.
LAFC und LA Galaxy – die lokale Szene
Los Angeles zwei größten Fußballvereine, LAFC und LA Galaxy, haben leidenschaftliche Fangemeinden die regelmäßig die Stadien füllen. Diese Fans haben ihre Kurvenkultur nicht aus europäischen Vorlagen kopiert, sondern selbst entwickelt, mitten in einer Stadt, die traditionell eher als Football- und Basketball-Metropole gilt.
Nach dem Spiel – Los Angeles bei Nacht
The Boomtown Pub in Hollywood ist einer der ältesten Fußball-Pubs der Stadt, mit frühmorgendlichen Übertragungen für Premier-League-Fans und einer Stammkundschaft, die kein Spieltags Format kennt, das nicht funktioniert. Keine große, glamouröse Showfläche aber dafür echter amerikanischer Sport-Barcharakter.
El Pique Sports Bar in East LA ist der richtige Ort für alle, die neben dem Fußball auch verstehen wollen, wie LA Fußball lebt. Mexikanische Küche, starke Meinungen, und eine Atmosphäre, die touristenfrei und authentisch bleibt.
Grand Central Market in Downtown LA ist keine Fußball-Bar, aber nach dem Spiel genau der richtige Ort für ein Häppchen. Eine gigantische Food Hall mit Optionen aus aller Welt auf engstem Raum – Tacos neben Ramen neben Äthiopisch neben Burger. Ein direkter Einblick in die Bunte Metropolen Stadt.
The Rooftop at The Standard in Downtown ist für alle, die nach dem Spiel höher und schicker hinauswollen: Blick auf die Skyline, Pool auf dem Dach und das unvergessliche Stadtbild von Los Angeles als Kulisse.
Egal ob Ticket oder nicht
Das offizielle FIFA Fan Festival findet am Los Angeles Memorial Coliseum in Exposition Park statt. Das ist eine Entscheidung mit symbolischem Gewicht: Das Coliseum ist ein Bau aus dem Jahr 1923, hat die Olympischen Spiele 1932 und 1984 beherbergt und ist Teil des historischen Herzens der Stadt. Das Festival läuft vom 12. bis zum 15. Juni mit einem kostenpflichtigen Eintritt von zehn Dollar, es bietet Live-Übertragungen, Livemusik mit Acts wie Steve Aoki sowie Essen und Kulturprogramm.
Zusätzlich gibt es kostenlose öffentliche Watch Parties durch die LA verteilt. Zehn offizielle Fan Zones verstreuen sich über die gesamte Region, darunter der Original Farmers Market und Venice Beach. Wer kein Ticket hat, muss also in LA trotzdem nirgendwo allein mit dem Spiel sitzen.
Das ist vielleicht das Besondere an dieser Stadt als WM-Standort: Nirgendwo sonst im Turnier ist die Bühne so groß, das Publikum so divers und die Infrastruktur für internationale Fans so selbstverständlich vorhanden. Los Angeles ist keine Stadt, die den Moment abwartet, denn der Moment findet in ihr statt.
