Doppelpacker Patrik Schick sorgte für Ruhe im Hexenkessel und ließ das ohrenbetäubende Pfeifkonzert verstummen. Bayer Leverkusen hat geschafft, was vor vier Wochen kläglich misslang. «Ich habe gehört, ein paar sind früher gegangen – das ist doch schön», sagte Kapitän Robert Andrich nach dem 2:0-Sieg bei Olympiakos Piräus. 30 Tage nach der bitteren 0:2-Pleite am selben Ort machte die Werkself einen großen Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale.
«Der erste Schritt ist gemacht. Es ist ein weiterer Entwicklungsschritt von uns», betonte der Kapitän, der damit auch das vor der Partie ausgegebene Ziel, die Stimmung zu dämpfen, als erfüllt ansah. «In der ersten Halbzeit war es noch sehr laut – aber nach den Toren hast du gemerkt: Es wird leiser.» Nach holprigen 45 Minuten gegen erneut hoch pressende und aggressive Griechen entschied Schick das Duell mit einem Doppelpack binnen 144 Sekunden.
Stabilität – doch Rotation unausweichlich
Mit Geduld, einer stabilen Defensive und cleverem Umschaltspiel brachte Bayer 04 das ohrenbetäubende Pfeifkonzert bei jedem Ballkontakt zum Schweigen. Das Achtelfinale rückt damit in Sichtweite – ein Erfolg, der zwar ausgegebenes Vereinsziel, jedoch nach dem XXL-Umbruch im Sommer keineswegs selbstverständlich ist. Doch nach dem schwächsten Jahresauftakt seit 2004 wirkte Leverkusen zuletzt gefestigt und als Mannschaft gereift.
Allen voran die stabile Defensive überzeugt nicht nur in Piräus auch Trainer Kasper Hjulmand: «Das ist wichtig. Sieben Spiele zwei Gegentore, fünfmal Nullspiele», bilanzierte der Däne nach Abpfiff. Auch dass das Team zunehmend eingespielter ist, wird auf dem Platz klar erkennbar. Dennoch betonte Hjulmand, dass nicht dauerhaft dieselben Spieler auflaufen können – in Piräus hatte er noch einmal auf die Startelf vom 4:0-Ligasieg gegen den FC St. Pauli gesetzt.
«Wir hatten drei Tage zwischen den Spielen und die Möglichkeit für ein bisschen Kontinuität. Aber so geht es nicht weiter. Das ist nicht möglich», sagte der 53-Jährige, der aber an die qualitative Breite in seinem Kader glaubt: «Wir haben eine super Bank und einen super Kader – Rotation wird kommen.» Hilfreich ist dabei für den Coach, dass es im Team trotz der hohen Belastung derzeit nur wenig Verletzungssorgen gibt.
Keine Verschnaufpause: Bundesliga wartet
Mit dieser Ausgangslage und dem gewonnenen Selbstvertrauen will Bayer den Aufwärtstrend fortsetzen. Zeit zum Durchatmen bleibt ohnehin kaum: Bereits am Samstag (15.30 Uhr) geht es bei Union Berlin um wichtige Punkte, um auch in der nächsten Saison wieder international vertreten zu sein. Am Dienstag (21.00 Uhr/Amazon Prime) soll dann im Rückspiel gegen den griechischen Meister vor heimischer Kulisse das Achtelfinal-Ticket gesichert werden. Und dort ginge es dann gegen den FC Bayern oder den FC Arsenal.
Trotz aller Euphorie und vielversprechenden Voraussetzungen dafür warnte Hjulmand. «Es ist nur die erste Halbzeit. Wir haben eine gute Ausgangsposition – aber es ist noch nichts entschieden», sagte der Coach. Ganz wie zu Beginn, als in einem der stimmungsvollsten Stadien Europas die Pfeifkonzerte noch ohrenbetäubend waren, muss die Werkself weiter konzentriert und hellwach bleiben, um die komfortable Ausgangslage in ein sicheres Weiterkommen zu verwandeln.

