Skirennfahrer Linus Straßer hat ein vernichtendes Urteil über die Olympischen Winterspiele in Italien gefällt. «Es ist für’n Arsch. Sagen wir, wie es ist», schimpfte der Münchner nach dem Slalom von Bormio, den er auf dem neunten Rang beendet hatte. Den 33-Jährige störte vor allem, dass die Events unter den fünf Ringen seiner Meinung nach viel zu reguliert seien und keine Emotionen wie etwas bei den Ski-Klassikern von Kitzbühel oder Adelboden zuließen. «Das willst du doch erleben und nicht so ein steriles Ding.»
Die alpinen Ski-Männer waren bei diesen Spielen in Bormio, wo zur gleichen Zeit keine anderen Events oder Sportarten stattfanden. Für viele Athleten und Betreuer fühlte sich Olympia deshalb an wie ein normaler Weltcup. Von einem olympischen Flair oder Miteinander war in dem Bergdorf kaum was zu spüren.
Vernichtender Vergleich: Corona-Spiele 2022 «gar nicht so schlecht»
«Bormio zeigt mir eigentlich, dass Peking gar nicht so schlecht war», meinte Straßer. «Das zwar mit Corona, das war ein bisschen anstrengend alles, aber wir waren in einem olympischen Dorf, Eiskanal-Athleten waren dabei, es war ein Riesen-Speisesaal, es war ein Miteinander.» 2022 in China waren wegen der Pandemie keine Zuschauer zugelassen. Doch selbst das sei im Vergleich mit Bormio nicht so schlimm gewesen.
Schon im ersten Durchgang hatte sich Straßer über die Olympia-Organisation geärgert, als ihm verboten wurde, im Ziel seinen guten Freund AJ Ginnis nach dessen letztem Rennen gebührend zu empfangen. «Das ist typisch Olympia, oder?», sagte er. «Lasst doch einmal irgendwas… aber gut, alles für die Show, für die sterile.»
Straßer bemängelt Distanz zu Fans und Freunden
Der Münchner erzählte, dass seine Frau und die beiden Kinder sowie andere Familienmitglieder extra nach Bormio gekommen seien, dann aber weit weg von der Strecke stehen mussten. Zu sehen waren sie nicht – Straßer musste mit seiner Frau über Handy einen gemeinsamen Treffpunkt im Ort vereinbaren.

