Bormio gilt unter den diversen Olympia-Wettkampforten als am wenigsten, nun ja, euphorisch. An den Renntagen sind zumindest für ein paar Stunden viele Fans in dem Dorf, ansonsten prägen eher leere Straßen das Bild. Eines Abends schien plötzlich aber der ganze Ort auf den Beinen – und das hatte nichts mit den Winterspielen zu tun. Am Freitagabend stieg in dem Bergdorf der traditionelle und alljährliche Palio delle Contrade di Bormio.
Ein Palio ist ein Wettstreit zwischen Stadtvierteln. Der berühmteste ist der Palio di Siena, ein weltbekanntes Pferderennen in der toskanischen Stadt. Beim Palio in Bormio treten die fünf Ortsteile gegeneinander an, normalerweise in den Disziplinen Langlauf und Riesenslalom. Weil die Stelvio-Piste aber in diesem Jahr wegen Olympia nicht verfügbar ist, fand nur der Langlauf statt.
Schnee in den Gassen, Glühwein, Braulio und Blasmusik
In den Gassen der historischen Altstadt von Bormio wurden unzählige Kubikmeter Schnee verteilt, worauf am Nachmittag Kinder und abends die Erwachsenen liefen. Zunächst schickten die Ortsteile so viele Leute wie möglich einzeln auf den Rundkurs, teils in historischen Gewändern und mit Holzski vom Beginn des vorigen Jahrhunderts unter den Füßen.
Die Zuschauer wurden mit Glühwein, Braulio – der Kräuterlikörspezialität aus Bormio – und Blasmusik versorgt. Sogar Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini mischte sich unter die Leute.
Wegen Olympia: Palio diesmal ohne Riesenslalom
Das Finale bildete ein Staffelrennen mit drei Läufern und zwei Läuferinnen pro Ortsteil. Während im Hintergrund die Olympia-Piste hell erleuchtete, sprinteten an der Piazza Cavour die Hobbysportler um Ruhm und Ehre. Nächstes Jahr soll der Riesenslalom wieder zum Palio delle Contrade gehören. «Diesmal», meinte der Ansager auf der Piazza, «überlassen wir unsere Piste noch den Profis.»

