Franjo von Allmen wirkte sichtlich überfordert. Nicht mit der gefürchteten Piste von Bormio, die er auch im olympischen Super-G schneller bezwang als alle anderen. Nach dem dritten Gold-Coup bei diesen Winterspielen sollte der Schweizer seinen historischen Triumph selbst einordnen. Er ist nach den Legenden Toni Sailer und Jean-Claude Killy erst der dritte männliche Alpin-Athlet der Geschichte, der dreimal Gold bei denselben Spielen holen konnte.
«Ich versuche irgendwie zu realisieren, was eigentlich abgeht oder die letzten Tage abging», stammelte der 24-Jährige und grinste überwältigt. «Es fühlt sich an wie ein Traum», sagte er in der ARD. «Dreimal, absoluter Wahnsinn.»
Dreimal Gold bei Olympia, fünfmal Gold in zwölf Monaten
Mit der dritten Siegesfahrt auf der berühmten Stelvio-Strecke bewies der Sportler aus dem Schweizer Kanton Bern seine derzeitige Ausnahmestellung bei Großereignissen. Innerhalb von zwölf Monaten gewann er bei Weltmeisterschaften und Olympia gleich fünfmal Gold. Dabei hatte er es im Weltcup bislang auch nicht öfter als fünfmal auf den obersten Platz des Siegerpodestes geschafft.
Nach seinen Siegen in der Abfahrt und in der Team-Kombination hatte von Allmen im Super-G 0,13 Sekunden Vorsprung auf Ryan Cochran-Siegle aus den USA. Dritter wurde Landsmann Marco Odermatt (+0,28), der sich sichtlich schwertat, in die Kameras zu lächeln. Der beste Skirennfahrer der Gegenwart war Favorit, hat nach drei Enttäuschungen nun aber nur noch den Riesenslalom bei der Jagd nach Gold. Dort immerhin tritt Teamkollege von Allmen nicht an.
Sailer, Killy, Kostelic – und jetzt auch von Allmen
Dreimal Gold bei einer Olympia-Ausgabe: Das war zuvor nur dem Österreicher Sailer (1956), Killy aus Frankreich (1968) und der Kroatin Janica Kostelic (2002) gelungen. Dass sich Franjo von Allmen in diese Riege einreiht, war diesem aber zunächst mal egal. «Skigeschichte ist für mich nicht sehr wichtig, auch wenn das komisch klingt», sagte er. «Ich versuche, die Momente hier zu genießen. Was auf Papier steht, ist nebensächlich.»
Der Schweizer weiß, dass der Skirennsport nicht alles ist im Leben. Im Alter von 17 Jahren verlor er plötzlich seinen Vater und konnte nur dank einer Crowdfunding-Aktion in seinem Heimatdorf das Geld für die Fortsetzung der Ski-Karriere auftreiben. Parallel zum Training absolvierte er eine Lehre als Zimmermann und geht dieser Arbeit auch heute noch gerne nach. Der Beruf gebe ihm die «nötige Bodenhaftung», schilderte von Allmen.
Neonblauer Likör mit Passionsfrucht-Vanille-Zitronen-Geschmack
Darüber hinaus feiert der Schweizer – anders als manch ein Rivale – auch gerne. In seiner Stamm-Après-Ski-Bar kreierte er 2022 einen eigenen Schnaps, einen verrückten Drink mit neonblauer Farbe und Passionsfrucht-Vanille-Zitronen-Geschmack. «Franatiker» heißt der Likör – so wie sich die Fans des Ausnahme-Skifahrers sowie passionierten Motorradfahrers und -schraubers nennen.
Dabei macht selbst Franjo von Allmen nicht jeden Blödsinn mit. Als er in diesen Tagen gefragt wurde, warum er sich denn nicht anlässlich seiner traumhaften Winterspiele etwas als Erinnerung tätowieren lassen wollen, winkte er ab und meinte schlagfertig: «Auf einen Ferrari klebt man ja auch keinen Kleber.»
Und nun? «Ich bleibe mir treu»
Der Schweizer Olympia-König schickt sich an, zusammen mit dem gleichaltrigen Italiener Giovanni Franzoni – dem Silbermedaillengewinner aus der Abfahrt – künftig die Speed-Events zu dominieren. Was aus seinem Leben nach diesen Winterspielen wird, das weiß von Allmen zwar nicht. «Ich bin gespannt, was auf mich zukommt», sagte er, versprach aber zugleich: «Ich bleibe mir treu.»

