Das Medieninteresse an Sam Darnold ist groß.

Vor dem Super Bowl dreht sich alles um die Quarterbacks. Fans wollen vor allem Drake Maye und Sam Darnold sehen, bei den zahlreichen Medienterminen vor dem Duell zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks (Montag 0.30 Uhr/RTL und DAZN) ist das Gedränge immer dann am größten, wenn Maye oder Darnold Fragen der Journalisten beantworten.

Maye kennt es nicht anders, der 23-Jährige ist schon in seiner zweiten NFL-Saison ein heißer Kandidat auf die Auszeichnung zum MVP – dem wertvollsten Spieler der Saison – und für Patriots-Fans der erste echte Nachfolger von Superstar Tom Brady. Darnold dagegen hat auch die Schattenseiten erlebt.

Darnold stand «hinten in der Ecke»

Vor zwei Jahren war er schon mal im Super Bowl, als Ersatzmann der San Francisco 49ers. «Ich stand da hinten in der Ecke und habe gehofft, dass irgendeiner von euch mit mir sprechen will», sagte er bei der Opening Night in Richtung des Reporter-Pulks, der sich vor seiner Bühne aufgebaut hatte.

Wie Maye vor zwei Jahren wurde Darnold vor acht Jahren mit entsprechend großen Erwartungen an dritter Stelle des NFL-Drafts ausgewählt. Mayes Karriere kennt seither nur eine Richtung: Nach oben. Für Darnold dagegen ging es jedes Jahr ein bisschen weiter bergab. 

Darnold galt in der NFL als gescheitert

Nach drei Jahren bei den New York Jets wechselte er zu den Carolina Panthers – weil er auf beiden Stationen nicht überzeugte, blieb ihm schließlich nur die Rolle als Ersatzmann in San Francisco. Und trotz 14 Siegen in 17 Spielen war er nach nur einer Saison bei den Minnesota Vikings vor einem Jahr auch schon wieder auf dem Markt. Der inzwischen 28-Jährige galt in der Liga als gescheitert. 

Die Seahawks aber glaubten an Darnold – und wurden mit der vierten Super-Bowl-Teilnahme ihrer Geschichte belohnt. «Er ist ein widerstandsfähiger Typ, ein Gewinner. Es hat Spaß gemacht an seiner Seite», sagte Seahawks-Trainer Mike Macdonald über seinen Quarterback. «Sam versteht, wie sehr ihm die Jungs vertrauen und ihm den Rücken frei halten.»

Wie außergewöhnlich Darnolds Weg ist, verdeutlicht diese Statistik: Noch nie hat ein Quarterback den Super Bowl gewonnen, wenn er zuvor bereits für vier verschiedene Teams gespielt hat. «Er war abgeschrieben», sagte Seahawks-Teamkollege Cooper Kupp. 

Maye könnte die großen Fußstapfen Bradys füllen

Maye dagegen liefert schon im zweiten Jahr seiner Karriere die Leistungen, die sich die Patriots von ihm erhofft haben. Der Lohn: Die erste Super-Bowl-Teilnahme für das Team seit dem Abschied von Brady, der die Patriots gleich neun Mal in den Super Bowl geführt hatte und sechs Mal als Sieger vom Platz ging. In der deutschen Nacht zu Freitag könnte Maye dafür als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet werden. 

Wie selbstverständlich er die Rolle als Anführer übernommen hat, nachdem weder Cam Newton noch Mac Jones bei den Patriots in die Fußstapfen Bradys gepasst haben, verdeutlichte Mayes Antwort auf die Frage, an wem er sich in der Liga orientiere: «Ich schaue mir Sachen von anderen ab, aber ich würde nicht sagen, dass ich noch versuche, mich an anderen zu orientieren. Ich bin jetzt in der NFL und mache mir hier meinen eigenen Namen.»

Für beide Quarterbacks ist der Super Bowl eine Rückkehr

Ins Duell mit den Seahawks gehen die Patriots als leichter Außenseiter, das gab es für das Team von der US-Ostküste nicht mehr seit dem ersten Super Bowl mit Brady als Quarterback. Maye erlebt sein Debüt dabei in einem Stadion, das er bereits als Austragungsort des wichtigsten Saisonspiels kennt – vor zehn Jahren besuchte er als Kind Super Bowl 50 zwischen den Denver Broncos und den Carolina Panthers, als die Broncos im Levi’s Stadium 24:10 gewannen.

«Damals hat mein Vater den Traum eines Schülers aus der Middle School wahr gemacht. Jetzt kann ich meinen eigenen Traum wahr machen», sagte Maye. «Da schließt sich ein Kreis.»

Das gilt auch für Darnold. Die Seahawks werden sich in der Heim-Kabine der 49ers umziehen, die Darnold aus seiner Zeit als Ersatzmann bestens kennt. Er wird, wenn er will, dieses Mal aber den besten Platz bekommen.