Die Lust auf Fußball ist Rückkehrer Jamal Musiala beim Abschlusstraining der Bayern anzusehen.

Das Dauergrinsen vom Kurz-Comeback in Leipzig hatte Jamal Musiala auch beim Abschlusstraining vor seiner Champions-League-Rückkehr im Gesicht. Der Fußball-Nationalspieler ist nach fast 200 Tagen Leidenszeit «dankbar für jede Sekunde», die er nach seinem komplizierten Beinbruch wieder auf dem Platz stehen darf. Die nächsten Einsatzminuten sollen am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) gegen Royal Union Saint-Gilloise dazukommen. 

«Es gibt einen Plan, aber wir sind auch flexibel. Sind es zehn Minuten? 20 Minuten? Hat er Schmerzen?», sagte Kompany nach dem Abschlusstraining und betonte: «Wir werden das ganz ruhig angehen.»

Musiala möchte gegen Belgiens Meister möglichst dazu beitragen, dass die torhungrigen Münchner mit dem sechsten Sieg im siebten Spiel der Ligaphase international das erste Etappenziel erreichen. «Wir wollen die Punkte machen, die hoffentlich reichen fürs Achtelfinale», sagte Sportvorstand Max Eberl.

Pyro-Strafe: Keine Fans in der Südkurve

Ein fixer Platz in den Top 8 ist das Ziel in der Allianz Arena, in der Musiala bei seiner Rückkehr allerdings eine ungewöhnliche Atmosphäre erleben wird. Wegen einer Pyro-Strafe der UEFA wird der komplette Unterrang der Südkurve leer sein. Über 9.000 Bayern-Anhänger werden fehlen. «Das ist schade», sagte Nationalspieler Aleksandar Pavlovic zur Stimmungseinbuße. 

Musiala dürfte den Abend trotzdem genießen. Beim 5:1 in Leipzig kam sein Moment in der 87. Minute. Der Offensivkünstler betrat den Platz – und die kurze Einsatzzeit genügte Bayerns Zehner noch, um am letzten Tor von Michael Olise beteiligt zu sein. «Super geil», schwärmte Kapitän Manuel Neuer danach: «Ich weiß, was dahintersteckt, gerade wenn man eine lange Verletzung hatte. Was alles dazu gehört, mental und auch an physischer Arbeit.» 

«Trauma für gesamte Mannschaft» 

Kompany erinnerte danach noch einmal an die Dramatik des 5. Juli 2025, als sich Musiala bei der Club-WM in den USA gegen Paris Saint-Germain so schwer am linken Bein verletzte. «Es war eine bittere Geschichte, ein Trauma für die gesamte Mannschaft. Der Junge hat lange gekämpft», sagte der Coach.

Der Kampf ist auch noch nicht endgültig gewonnen. Eberl skizzierte den Plan mit Musiala: «Im Januar Spaß haben, Minuten sammeln, Fitness sammeln, um dann in der wichtigen Phase da zu sein.» Im März, April und Mai, wenn die national übermächtigen Bayern mit einem starken Musiala auch in Europa ganz oben stehen wollen. «Die Hoffnung ist groß, dass es bis ins Finale geht», sagte der ehemalige Bayern-Trainer und Bayern-Profi Jürgen Klinsmann.

Robben: «Lasst dem Jungen Zeit»

Beim Legends Cup in München war am Wochenende auch Musiala ein großes Thema unter den Fußballstars früherer Zeiten. «Lasst dem Jungen Zeit. Es war eine schwere Verletzung», bat Arjen Robben. Bayerns Wembley-Held vom gewonnenen Champions-League-Finale 2013 musste in seiner Karriere etliche Verletzungen überstehen: «Hart arbeiten war immer mein Motto und noch stärker zurückzukommen nach der Verletzung.»

Dieses Ziel trieb auch Musiala in den vergangenen Monaten an. Mats Hummels, einst Musialas Teamkollege in der Nationalelf, sieht optimale Voraussetzungen. «Jamal kommt in eine super funktionierende Mannschaft, da wird er keine Probleme haben, wieder reinzufinden», sagte der 37-Jährige. 

Nicht nur die Bayern, auch Bundestrainer Julian Nagelsmann hofft im WM-Jahr auf einen Musiala in Bestform. «Er ist einer der wenigen Unterschiedsspieler auf höchstem Niveau, die wir in Deutschland haben», sagte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus: «Nicht nur der FC Bayern freut sich, dass er zurück ist.» 

Lahm: Das wird jetzt interessant

Mit Musiala und dem ebenfalls zurückgekehrten Alphonso Davies erhöht sich zugleich der Konkurrenzkampf. «Das wird jetzt interessant, auch für Vincent Kompany, wie er sie integriert», meinte Ex-Bayern-Kapitän Philipp Lahm. 

Wie reagiert der Bayern-Trainer? Er freut sich auf den Luxus, nun auf Sicht in der Offensive aus einem hochkarätigen Kreis mit Harry Kane, Olise, Luis Díaz, Serge Gnabry, Lennart Karl, Nicholas Jackson und Musiala auswählen zu können: «Wenn Jamal wieder auf seinem Niveau ist, dann hoffe ich, dass wir ein positives Problem haben in Zukunft. Ich habe von Anfang an gesagt, ich will diese Situation genießen, ich möchte es haben – so schnell wie möglich.» 

Vor der K.o-Phase geht es Kompany aber erst einmal darum, nach dem 4:0 gegen Club Brügge auch den zweiten Gegner aus seiner Heimat zu schlagen. Der 1897 gegründete Verein Royale Union Saint-Gilloise erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Vorläufige Krönung: der zwölfte Meistertitel 2025.

Übrigens: Als Kompany in seiner Heimat Belgien Trainer des RSC Anderlecht war, verlor er vier von fünf Partien gegen den Brüsseler Lokalrivalen Saint-Gilloise. «Das waren andere Zeiten», meinte Kompany. Beim Wiedersehen mit «dem Underdog» tritt er ja mit Bayerns Starensemble um Musiala an.