Stefan Kretzschmar traut den deutschen Handballern bei der EM eine Medaille zu. (Archivbild)

Trotz der schweren Auslosung traut Handball-Ikone Stefan Kretzschmar der DHB-Auswahl bei der Europameisterschaft eine Medaille zu. «Die deutsche Nationalmannschaft ist talentiert und gehört zum Favoritenkreis. Auch, weil die Qualität des Kaders in der Breite enorm hoch ist», sagte der Ex-Nationalspieler der Deutschen Presse-Agentur. 

Das von Bundestrainer Alfred Gislason ausgegebene EM-Ziel Halbfinale hält Kretzschmar «nicht für überambitioniert. Es ist eine Vorgabe, die der deutschen Nationalmannschaft gut zu Gesicht steht. Sich hohe Ziele zu setzen, ist der richtige Weg», erklärte der 52-Jährige. 

Um bei der Endrunde in Dänemark, Norwegen und Schweden bestehen zu können, müsse von Beginn an der Fokus stimmen. «Die Mannschaft hat keine Zeit, ruhig ins Turnier zu starten. Schon in der Vorrunde sind die Gegner Top-Mannschaften. Ich glaube aber, dass uns das entgegenkommen wird», sagte Kretzschmar. Das DHB-Team startet am Donnerstag (20.30 Uhr) gegen Österreich in die EM. Danach warten in der Gruppe A noch Serbien und Spanien. 

Übermannschaft Dänemark

An einen deutschen EM-Triumph wie vor zehn Jahren in Polen glaubt Kretzschmar, der das Turnier als Experte des Streamingdienstes Dyn begleitet, allerdings nicht. Auf die Frage, ob Olympiasieger und Weltmeister Dänemark im eigenen Land zu schlagen sei, antwortete er: «Nein.»

Dahinter befänden sich «viele Teams auf einem ähnlichen Niveau. Hinter Dänemark zählen zu den Favoriten auf eine Medaille sicher auch Deutschland, Frankreich, Norwegen, Portugal oder auch Schweden als Co-Gastgeber. Ich traue zudem Island bei diesem Turnier die Silbermedaille zu», sagte Kretzschmar und ergänzte: «Kroatien als Vize-Weltmeister wirkte zuletzt nicht so stabil, hat aber auch eine hohe Qualität.»

Lob für Bundestrainer Gislason

Die Leistungsstärke der DHB-Auswahl bewertet der Olympia-Zweite von 2004 generell als positiv. «Seit dem Gewinn der U21-Weltmeisterschaft im eigenen Land 2023 hat sich die Nationalmannschaft verjüngt und eine starke Entwicklung genommen. Unsere Führungsspieler rund um Johannes Golla, Julian Köster und unsere Torhüter Andi Wolff und David Späth sind absolut Weltklasse», lobte Kretzschmar und prophezeite eine rosige Zukunft: «Das Potenzial ist riesig und der Zenit der Mannschaft noch lange nicht erreicht.»

Riesigen Anteil am Aufschwung habe Gislason. «Ich habe großen Respekt vor der Arbeit des Bundestrainers. Er hat unter anderem die Verjüngung des Kaders stark vorangetrieben, der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen spricht für ihn», sagte Kretzschmar. 

Er rechnet daher fest mit einem Verbleib des 66 Jahre alten Isländers nach der EM und kann sich sogar eine Verlängerung des 2027 auslaufenden Vertrages vorstellen. «Für mich ist völlig klar, dass wir auch die Heim-WM mit Alfred Gislason bestreiten werden. Ich kann mir schon vorstellen, dass beide Seiten im Erfolgsfall gerne weitermachen würden – und ich fände das auch gut», sagte Kretzschmar.