Deniz Undav brachte es auf den Punkt. «Gottseidank» soll Jamie Leweling in diesem Winter noch beim VfB Stuttgart bleiben. «Gut für ihn, auch für den Sommer», befand Nationalstürmer Undav und erläuterte relativ unverblümt: «Wenn er so weiter macht, bringt er sich auf einen riesigen Markt. Er ist ein perfekter Spieler für die Premier League.»
Warum, das demonstrierte Leweling mit seiner persönlichen Gala-Vorstellung am Samstagabend beim begeisternden 4:1 (4:0) des VfB bei Bayer Leverkusen eindrucksvoll. «Wenn er ein klares Mindset hat, ist er schwer zu verteidigen. Er hat eine Physis, er ist schnell. Er hat eigentlich alles, was man als Fußballer haben muss. Nur nicht meine Technik», scherzte Undav anerkennend.
Drei Torschüsse setzte der 24-Jährige ab, dreimal jagte Leweling die Kugel dabei ins Netz, als wäre nichts dabei. Das schönste Tor dabei wurde ihm freilich wegen einer vorherigen Abseitsstellung von Vorlagengeben Undav wieder aberkannt. Das änderte aber nichts am Bewerbungsschreiben des bislang viermaligen Nationalspielers für die WM. Und eben für die reichen englischen Clubs, die ihn längst ins Auge gefasst haben sollen.
Erster Premie-League-Club soll sich bereits gemeldet haben
«Er bringt alles mit. Ich hoffe, dass es da noch ein paar Nummern mehr hoch geht», sagte Undav. Gemeint ist ein 40-Millionen-Euro-Angebot des AFC Bournemouth für einen sofortigen Wechsel Lewelings, das der VfB abgelehnt haben soll. «Ich will hierbleiben. Es macht Spaß, hier Fußball zu spielen», stellte Leweling selbst klar – im Hinblick auf einen Winterwechsel wohlgemerkt.
«Er ist unser Spieler, hat heute sehr gut gespielt und wir freuen uns auf eine schöne, gute, erfolgreiche Rückrunde», sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Sollte Lewelings Form, die schon vor den Weihnachtsferien deutlich anstieg, so bleiben, könnten sich im Sommer ganz andere Clubs mit ganz anderen Summen melden.
Ein wenig erinnert Lewelings Entwicklung an Nick Woltemade, der in der vergangenen Spielzeit vom VfB zunächst gar nicht für die Champions League gemeldet war, in der Rückserie plötzlich durchstartete und im Sommer für sagenhafte 90 Millionen Euro zu Newcastle United transferiert wurde.
Im Sommer ganz anderer Markt für Leweling?
Auch Rechtsaußen Leweling kommt wie aus dem Nichts. Vor zweieinhalb Jahren liehen in die Schwaben von Union Berlin, wo er keine tragende Rolle hatte. Nach soliden Leistungen wurde er zum Stammspieler, doch erst jetzt scheint es eine regelrechte Leistungsexplosion zu geben. «Man sieht, er hat sich einiges vorgenommen», sagte Wohlgemuth.
Das könnte man getrost auf die gesamte Mannschaft beziehen, deren Leistung am Samstag einem Statement glich. Zum ersten Mal seit fast acht Jahren gelang einem VfB-Team wieder ein Sieg gegen Leverkusen. Und wie. Der Meister von 2024 wusste nicht, wie ihm geschah. Die Werkself war schnell schwindelig gespielt, zur Pause drohte ein noch viel höheres Debakel.
Stuttgarter Statement-Sieg: Große Ambitionen beim VfB
«Die ersten 30 Minuten waren fast perfekt», schwärmte VfB-Coach Sebastian Hoeneß, der eine Gabe zu haben scheint, jeden Spieler auf ein ganz anderes Niveau hieven zu können. Neben Leweling standen sieben weitere potenzielle deutsche Nationalspieler am Samstag für den VfB auf den Platz. Nicht nur von Leweling war es eine klare WM-Empfehlung.
«Wir haben ein Zeichen gegeben, das mit uns zu rechnen ist. Ein Zeichen der Stärke», frohlockte Wohlgemuth vor dem nächsten Highlight-Spiel am Dienstag (18.30 Uhr/Sky) gegen den direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt. «Auch da müssen wir wieder gewinnen», forderte Undav, für den diese Saison «noch einiges» drin ist, was er im ZDF präzisierte: «Wir wollen den Pokal gewinnen, so weit oben wie möglich in der Bundesliga spiele und eine gute Rolle in der Europa League spielen. Dann haben wir einen echt guten Kader für alle Wettbewerbe.» Mit Leweling versteht sich.

