Was für eine Überraschung: Jan-Lennard Struff freut sich über seinen Achtelfinaleinzug.

In seinem bisher größten Match bei den US Open fordert Überraschungs-Achtelfinalist Jan-Lennard Struff den serbischen Tennis-Topstar Novak Djokovic heraus. Mit einer begeisternden Leistung entzauberte der 35 Jahre alte Struff in der dritten Runde den amerikanischen Publikumsliebling Frances Tiafoe und gewann mit 6:4, 6:3, 7:6 (9:7). Als Qualifikant darf der Sauerländer nun gegen Djokovic um das Erreichen des Viertelfinals beim Grand-Slam-Turnier in New York spielen.

«Es ist fantastisch, wie gut er spielt. Er zeigt uns allen, dass man in seinem Alter sehr, sehr gutes Tennis spielen kann», sagte Struff über den 38-Jährigen. Alle bisherigen sieben Vergleiche mit dem 24-fachen Rekord-Grand-Slam-Sieger hat Struff verloren. Djokovic setzte sich in seiner dritten Runde mit 6:4, 6:7 (4:7), 6:2, 6:3 gegen den Briten Cameron Norrie durch. Dabei nahm der Serbe offensichtlich wegen Problemen am Rücken eine medizinische Auszeit. 

Geburtstagsgrüße nach Deutschland

Für Struff ist in einer Saison mit etlichen Rückschlägen der Achtelfinaleinzug ein großer Erfolg. «Geil, ich freue mich. Unglaubliches Match. Ich denke, ich habe sehr gutes Tennis gespielt», sagte er und bestellte Grüße nach Hause. «Mein Vater hat noch zehn Minuten Geburtstag. Deswegen: Alles Gute Papa.»

Die Partie gegen den zweimaligen US-Open Halbfinalisten und Weltranglisten-17. Tiafoe entschied der Sauerländer nach 2:09 Stunden für sich. Erst als Struff bei 5:3 im dritten Satz zum Matchgewinn aufschlug, begann er zu wackeln. Doch der Davis-Cup-Profi fing sich schnell wieder und zeigte sich im Tiebreak nervenstark. Als erster von drei deutschen Tennis-Herren in Runde drei zog Struff in die zweite Turnierwoche ein.

«Ich denke, jeder weiß, dass es manchmal schwer ist, ein Match auszuservieren. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben», sagte Struff und richtete sich an das Publikum: «Die Atmosphäre war unglaublich. Ich weiß, ihr habt für Frances gejubelt, aber es war sehr fair», meinte der Warsteiner und erinnerte daran, dass er in der Qualifikation beinahe ausgeschieden war. Alexander Zverev und Daniel Altmaier können Struff noch in die Runde der besten 16 folgen.

 

 

Starke Aufschläge, direkte Punkte von der Grundlinie – Struff gelang an diesem Nachmittag in New York lange vieles wie gewünscht. Im viertgrößten Stadion in Flushing Meadows drängten die Zuschauer auch auf die Stehplätze oberhalb der Ränge. Deutlich mehr als die gut 8.000 Zuschauer, die Sitzplätze fanden, wurden Zeugen des Drittrundenduells. Die US-Fans konnten aber nicht feiern.

Tiafoe liegt am Boden

Nachdem der erste Satz an den Außenseiter gegangen war, schmiss sich Tiafoe nach einem Ball auf den Hartplatz – und streckte sich vergeblich. Die Szene stand sinnbildlich für das Geschehen. Wenig später lag Struff wieder mit einem Break vorn. 

Tiafoe wirkte entnervt, Struff blieb unbeeindruckt. «Er ist mental unglaublich stark. Er gibt ihm keine Chance, weil er bärenstark von Anfang an gespielt hat», sagte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker. 

Drittes Grand-Slam-Achtelfinale

In der Weltrangliste ist der einstige Top-30-Spieler Struff bis auf Platz 144 abgerutscht. Deswegen musste er sich über die Qualifikation ins Hauptfeld des Grand-Slam-Turniers arbeiten. 

In der zweiten Runde triumphierte der Deutsche bereits überraschend gegen den Weltranglisten-11. Holger Rune aus Dänemark. Nun erreichte der Davis-Cup-Spieler sein insgesamt drittes Grand-Slam-Achtelfinale nach den Erfolgen bei den French Open 2019 und 2021. Ein Preisgeld von 400.000 Dollar ist ihm damit schon sicher (340.000 Euro).